Mittwoch, 2. März 2005

Für eine Hand voll Oscars

Dirty Harry: Mythos Clint Eastwood: Das Interview mit dem großen Winner der Oscar-Nacht.
Dirty Pampers: Seine Wandlung zum Familienvater: Warum er heute statt Frauen Oscars sammelt.

Diese Lippen, die so schmal wie ein Bleistiftstrich wirkten, haben lächeln gelernt. Und auch das zerknautschte Gesicht ist wie frisch aufgebügelt: Wo früher die tiefen Furchen des Zorns waren, sind heute nur noch die Falten des Alters. Und wo früher Zynismus war, ist heute Zufriedenheit.

Clint Eastwood – vor gut vier Jahrzehnten hetzte er die Gottlosen für eine Hand voll Dollar durch die mexikanische Staubwüste. Clint Eastwood – vor gut drei Jahrzehnten säuberte er als „Dirty Harry“ mit rauchendem Colt die Straßen von Frisco. Clint Eastwood – vor gut vier Tagen bedankte er sich artig vor der Welt, Amerika und seiner 96-jährigen Mama für eine weitere Hand voll Oscars: Soeben war sein Streifen „Million Dollar Baby“ zum besten Film des Jahres und er selbst zum besten Regisseur gekürt worden.

Clint, der im Mai 75 wird, gerührt: „Ich bin ein Kind, ich habe noch so viel vor, ich danke den guten Genen meiner Mom.“ Gut, Dirty Harry wäre bei so viel Salbung erst kurz ausgezuckt, um dann lange abzudrücken. Doch Dirty Harry ist mausetot – weil Clint Eastwood seinen eigenen Mythos erfolgreich verbürgerlichte, anstatt, wie viele andere Stars, an ihm zu zerbrechen.

Schneller Sex im Akkord. Clint Eastwood alt, das waren unzählige Affären, schneller Sex und emotionale Einsamkeit; und sechs Kinder von vier verschiedenen Müttern. Eastwood neu, das ist trautes Heim, freiwillige Monogamie und familiäres Glück mit Frauchen im Arm und (ehelicher) Tochter auf dem Schoß. Von Dirty Harry zu Dirty Pampers, eine Metamorphose wie aus einem Hollywood-Skript.

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PLUS: Das interview: Der Winner der Oscar-Nacht über sein Erfolgsgeheimnis.

2.3.2005 16:07