Johannes Paul II: Sein tragischer Leidensweg
- Das medial zelebrierte Siechtum eines Papstes

Ein todkranker Mann darf nicht sterben: Segnend wird er zwischen Vatikan und Klinik hin und her gekarrt. Ein bizarres Ende.
Der Vatikan verkündet unermüdlich seine Erfolgsmeldungen: Die Genesung verlaufe erfolgreich; dem Papst gehe es also wieder ausgezeichnet; er sitze schon stundenweise im Sessel und lese oder schreibe. Bald werde er auch wieder sprechen können. Die Nächte verbringe er ruhig schlafend.
Mag sein. Patienten unter schwerer Medikamentendosis fallen sehr häufig in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf.
Ernste Lage. Allen vatikanischen Beschönigungsversuchen zum Trotz gibt die gesundheitliche Lage von Johannes Paul II. sehr wohl Anlass zu großer Sorge. Die in der Vorwoche in der römischen Gemelli-Klinik durchgeführte Tracheotomie (chirurgisch durchgeführter Luftröhrenschnitt mit Einführung einer Trachealkanüle zur Beatmung) war nicht, wie Papstsprecher Joaquin Navarro Valls dies beruhigend verlautbarte, ein Routineeingriff, erst recht nicht war es ein präventiver Schritt zur Verbesserung der Atmung, sondern eine Notmaßnahme. Diesem Eingriff müssen dramatische Ereignisse vorangegangen sein: Anschwellungen im Rachenraum (möglicherweise Infektionen als Folge vorangegangener künstlicher Beatmung), mehrere erfolglose Intubationsversuche danach akute Tracheotomie, um einem Ersticken zuvorzukommen. Alles deutet darauf hin, dass der Patient, der kurz zuvor aus dem Spital entlassen wurde, einen Rückfall erlitten hat (Professor Michael Zimpfer, Leiter der Intensivmedizin im Wiener AKH).
Der Rückfall. Am 10. Februar wurde Papst Johannes Paul bekanntlich nach zehntägigem Aufenthalt im Gemelli wieder in den Vatikan entlassen.
Ärzte in aller Welt waren darüber entsetzt: Ein fast 85-jähriger Patient im Endstadium des Morbus Parkinson, der mit Verdacht auf akute Lungenentzündung ins Spital eingeliefert wird, muss vollkommen stabilisiert sein, ehe er die Klinik verlassen kann.
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