Freitag, 4. März 2005

Ölpreis unter 54 Dollar nach Rekord vom Vortag: Hauptgrund liegt im langen Winter

  • Klirrende Kälte in den USA & Europa lässt Preis steigen

Der Ölpreis ist angesichts bitterer Winterkälte und spekulativen Käufen zeitweise auf eine Rekordhöhe von mehr als 55 Dollar pro Barrel (159 Liter) vorgestoßen. Zum Handelsschluss an der New Yorker Rohstoffbörse am Donnerstag und im Computerhandel am Freitag fiel der Preis aber wieder unter 54 Dollar und lag zu Freitag Mittag bei 53,46 Dollar (40,67 Euro). Marktkenner sehen vor allem spekulative Käufe großer Fonds als Preistreiber.

Unterdessen bekommen die deutschen Verbraucher die hohen Preise immer mehr zu spüren: Nach Untersuchungen des Fachdienstes EID kostete Superbenzin im Dezember im Durchschnitt 1,07 Euro pro Liter, jetzt dagegen 1,15 Euro. Mussten für 100 Liter Heizöl im Dezember und im Jänner weniger als 43 Euro bezahlt werden, kostete Heizöl Anfang März im Durchschnitt rund 50 Euro bei Abnahme von 3.000 Liter. Allerdings liegen die Benzin- und Heizölpreise noch deutlich unter ihren letztjährigen Spitzenwerten.

Am Donnerstag war der Ölpreis in New York mit 55,20 Dollar kurzzeitig über den Rekord vom Oktober 2004 (55,17 Dollar) gestiegen, dann aber wieder auf 53,57 Dollar zum Handelsschluss gesunken.

Hauptgrund der hohen Preise ist die grundsätzliche hohe Nachfrage weltweit, während die Förderkapazitäten nicht entsprechend erweitert worden sind. Die Preisspitze betrifft zur Zeit vor allem Rohöl von höchster Qualität. Die so genannten leichten Öle können weltweit in vielen Raffinerien verarbeitet werden. Dagegen fehlt es in vielen Ländern an ausreichender Technik, um auch aus den schwereren Sorten Benzin, Diesel oder Heizöl zu machen.

Der Fachdienst EID verweist noch auf einen anderen Aspekt: "Die Festigkeit des Ölmarktes lässt sich allerdings kaum ohne geopolitische Aspekte erklären. Seitdem von der Bush-Administration erklärt wurde, dass auch ein Militärschlag im Iran als letztes Mittel nicht ausgeschlossen werden könne, um die Atombombenfähigkeit des Mullah-Regimes zu verhindern, traut sich auch die Spekulation nicht mehr, auf sinkende Ölpreise zu setzen", schreibt das führende deutsche Energiemagazin am Freitag in einer aktuellen Analyse. Der Iran ist im Nahen Osten der zweitgröße Ölproduzent nach Saudi-Arabien. (apa/red)

4.3.2005 13:39