Studie zeigt: Unsere Stromnetztarife liegen kaum über dem EU-Durchschnitt
- Sonderfaktoren erklären Großteil der Preisdifferenz
- Bereinigte Preise nur um acht Prozent über EU-Wert
Bei einem sachlich richtigen Vergleich liegen die vielfach als weit überhöht kritisierten Strom-Netztarife in Österreich kaum über dem EU-Durchschnitt. Zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie des Beraters Plaut für das Forum Versorgungssicherheit. Absolut lägen zwar etwa die Entgelte für Haushaltskunden rund 33 Prozent über den anderen untersuchten Ländern, bei Berücksichtigung von Kaufkraft, Einwohnerstruktur, Netzsicherheit, Fixkostendegression und anderen Faktoren liege Österreich nur noch 8 Prozent über dem Durchschnitt, sagte Studienautor Jörg Wild bei einem Pressegespräch.
Rund 70 Prozent der Preisunterschiede Österreichs zum EU-Schnitt seien in strukturellen Differenzen begründet, daher würden auch für die heimische Großindustrie die Netzpreise schon heute im internationalen Mittel liegen. Die Betrachtung reiner Absolutbeträge, wie sie im zuletzt erschienenen 4. Benchmarking-Report der EU-Kommission enthalten sind, täusche über die Sonderfaktoren hinweg.
Zwinge man die heimischen Netzgesellschaften, die Durchleitungstarife zu stark abzusenken, könnte dies unter Umständen die Versorgungssicherheit gefährden, warnte der Experte von Plaut Economics. Auch international sei bis zur Hälfte der Preisdifferenzen auf Strukturunterschiede zurückzuführen. Im Falle Österreichs sei vor allem die Fixkostenbetrachtung, die Siedlungsstruktur und die Versorgungsqualität ganz wesentlich für die Netztarif-Unterschiede.
Berücksichtigung von Lohn- und Preisniveau wichtig
Da die Netzkosten zu einem großen Teil aus Fixkosten unabhängig von der transportierten Energiemenge bestehen, seien Energieversorger mit kleinen Kunden benachteiligt: Je höher der Energieverbrauch pro Netznutzer, desto größer die Energiemenge, auf die die Fixkosten verteilt werden. Hinzu komme, dass sowohl sehr dünn als auch extrem dicht besiedelte Gebiete höhere Kosten verursachen. Eine Benachteiligung von Netzen mit hoher Versorgungssicherheit ergebe sich auch, wenn Qualitätsaspekte im Vergleich vernachlässigt werden.
Berücksichtigt werden müsse auch das inländische Lohn- und Preisniveau, gemessen an Kaufkraftparitäten, da für den Bau und Betrieb der Netze zu einem beträchtlichen Teil nicht handelbare Produktionsfaktoren eingesetzt würden, etwa für Tiefbauarbeiten. Die so genannte "G-Komponente" schließlich berücksichtige, in welchem Verhältnis die Netznutzungsentgelte zwischen den Endverbrauchern und den Kraftwerksbetreibern aufgeteilt seien. Darüber hinaus gebe es noch weitere Faktoren, die sich - mangels Datenmaterial - gar nicht untersuchen ließen. Mit diesen könnte Österreich sogar unter dem EU-Schnitt liegen, schließt der Studienautor nicht aus. (apa)

