"Börsegang im Jahr 2006 wäre zu früh": Post-Gewerkschaft droht jetzt mit Streik!
- Gewerkschaftschef Fritz fordert mehr Vorbereitungszeit
- ÖIAG will im April über weitere Vorgangsweise beraten
·Koalitionsstreit um Postamt-Schließung
ÖVP und FPÖ diskutieren um schärfere Verordnung
·Post will 110 Mitarbeiter abbauen
Durch neues Paket-Verteil-Zentrum weniger Personal
Die Post-Gewerkschaft droht mit Streik gegen Pläne der Regierung, wonach die Österreichische Post AG 2006 an die Börse gebracht werden soll. Um "optimal dazustehen", brauche die Post noch mindestens zwei bis drei Jahre, meint der Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz. Einen Börsegang im nächsten Jahr hält Fritz daher für verfrüht. Der dadurch entstehende Kostendruck würde zur Zerschlagung des Unternehmens führen. Die Gewerkschaft werde sich dagegen mit allen Mitteln "bis hin zu Betriebsniederlegungen" zur Wehr setzen, sagte Fritz am Dienstag zur APA.
Die Staatsholding ÖIAG wird am 7. April in einem informellen Gespräch über die weitere Vorgangsweise beraten. Die Regierung hatte 2002 beschlossen, bis zu den nächsten Wahlen 2006 für die Post einen strategischen Partner zu suchen - als ersten Schritt der Privatisierung, wie es damals hieß. Nachdem Verhandlungen mit der Deutschen Post zuletzt gescheitert sind, ist seither ein Börsegang im Gespräch.
Vizekanzler Hubert Gorbach (F) hatte erst vergangene Woche in einem Fernsehinterview erklärt, dass nach dem Beschluss eines neuen Postgesetzes im heurigen Jahr 2006 25 und 50 Prozent der Post über die Börse privatisiert werden sollten. Mit dem Koalitionspartner ÖVP sollen die Privatisierungspläne laut Vizekanzler bereits akkordiert sein.
Vorstand für Börsegang
Auch der Post-Vorstand steht einem Börsegang dem Vernehmen nach hinter den Börseplänen. Vor allem Generaldirektor Anton Wais und Vertriebschef Herbert Götz sollen die Privatisierung über den Kapitalmarkt forcieren, Finanzchef Rudolf Jettmar soll zumindest keine Einwände haben und Logistik-Chef Walter Hitziger soll sich bisher generell aus den Thema herausgehalten haben, hört man aus dem Unternehmen.
Aktive Vorbereitungen für den Börsegang gibt es aber noch nicht, zumal es auch "noch keinen offiziellen Auftrag von Seiten der ÖIAG" gebe, betont man von Unternehmensseite. Auch bei der Post-Aufsichtsratssitzung nächsten Donnerstag wird die Privatisierung voraussichtlich noch kein Thema sein.
Bis zu eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit
Ab einem entsprechenden Auftrag geht man im Unternehmen von sechs- bis 18-monatigen Vorbereitungsphase aus, in der die Bilanzlegung adaptiert, der Börseprospekt erstellt und Road-Shows für potenzielle Investoren in Europa und Übersee gestartet werden müssten. Die Post-Gewerkschaft verweist allerdings darauf, dass eingeleitete Restrukturierungsprozesse erst bis 2007 greifen würden und auch die weitere Liberalisierung noch nicht feststehe.
Im Laufen ist etwa noch die Restrukturierung im Brief-Bereich. Durch neue Sortiergeräten etwa könnten noch rund 5 Prozent des Personals eingespart werden. In Summe soll der Personalstand der Post bis 2007 von derzeit 25.000 auf 23.000 sinken. Im Bereich Business-Paket arbeitet die Post noch an einer Neuorganisation, bisher ist der Bereich an den Partner DPD ausgelagert. Auch der Schalterbereich ist nach wie vor nicht saniert: Selbst nach der geplanten Schließung von 357 Postämtern bis zur Jahresmitte werde das Filialnetz weiter Verluste schreiben, heißt es.
Unklar ist auch noch, wann der Postmarkt vollständig liberalisiert werden wird. Die EU peilt eine Öffnung des derzeit noch geschützten Briefmonopols für 2009 an, der endgültige EU-Beschluss wird allerdings voraussichtlich erst Ende 2006 fallen. Immerhin macht die Österreichische Post rund 60 Prozent ihrer Umsätze in diesem Bereich. Für jeden Investor wäre der Kauf von Postaktien vor dieser Entscheidung daher ein "Blindflug", so Fritz.
Nach Meinung der Gewerkschaft hat die Politik daher nur die Wahl, in Österreich den Briefmarkt vorzeitig zu öffnen oder den Börsegang zu verschieben. Für den Finanzminister würde eine vorzeitige Privatisierung zwar Verkaufserlöse einbringen - für ein Unternehmensviertel je nach Schätzung zwischen 150 und 250 Mio. Euro. Durch die gleichzeitige Liberalisierung wären aber Dividenden - derzeit jährlich 36 Mio. Euro - für die nächste Zeit aber kein Thema mehr, meint Fritz.
(apa)

