Tauziehen um Walter Bau: Insolvenz-verwalter will weiter an Strabag verkaufen
- Neues Angebot wird Vereinbarung nicht verzögern
- Bilfinger, Lenz & Zwirn toppen Strabag-Angebot
Ungeachtet eines neuen Gebots für Teile der insolventen Walter Bau-AG betreibt Insolvenzverwalter Werner Schneider weiterhin den Verkauf von Bereichen an die österreichische Baugruppe Strabag. Die Umsetzung der Vereinbarung mit Strabag werde durch die neue Interessenbekundung des Baukonzerns Bilfinger Berger zur Übernahme von Teilen von Walter Bau "weder angehalten noch verzögert", teilte Schneider in Augsburg mit.
Schneider sieht sich auch von den wichtigsten Gläubigern von Walter Bau gestützt, die bei einer informellen Sitzung des Gläubigerausschusses ebenfalls die Fortsetzung des Verkaufs an Strabag befürwortet hätten. Strabag will Bereiche von Walter Bau mit rund 3.150 Mitarbeitern übernehmen.
In der Baubranche hatte es zuletzt Kritik daran gegeben, dass sich Schneider schnell nach der Insolvenz von Walter Bau auf den Verkauf wichtiger Bereiche an Strabag festgelegt hat. Nach Angaben Schneiders traf das jetzige Angebot des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger erst am 19. März ein und steht unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Bilfinger-Gremien und einer genauen Buchprüfung (Due Diligence) bei Walter Bau. Schneider erklärte, wegen dieser Vorbehalte und der Notwendigkeit, das Insolvenzverfahren gegen Walter Bau am 1. April zu eröffnen, beurteile er das Angebot sehr skeptisch. "Die Verhandlungen über ein konkretes Angebot sind in der geringen verbliebenen Zeit praktisch nicht zu realisieren", erklärte er.
Neues Angebot toppt Strabag
Über die Höhe des Gebots machte Schneider keine Angaben. Das Wirtschafts-Online-Portal "Manager-magazin.de" hatte berichtet, Bilfinger sei mit der Stuttgarter Industriellenfamilie Lenz bereit, deutlich mehr als 100 Mio. Euro für einige Walter-Bau-Teile und einen knapp fünfprozentigen Anteil am Stuttgarter Bauunternehmen Züblin zu zahlen. Zudem biete die Familie Lenz mit dem US-Finanzinvestor Zwirn mehr als 60 Mio. Euro für einen 48,7-Prozent-Anteil von Walter Bau an Züblin, der an die BayernLB verpfändet ist. Die Familie Lenz hält bereits 43 Prozent an Züblin und hatte das Gebot mehrfach angekündigt. Beide Angebote zusammen lägen um 30 Mio. Euro über den Geboten der Strabag, hieß es in dem Bericht. Schneider befürwortet auch für den Züblin-Anteil einen Verkauf an Strabag.
Schneider hatte die schnelle Festlegung damit begründet, dass bei Bauinsolvenzen wegen der wegbrechenden Aufträge schnell gehandelt werden müsse. Den Start des Insolvenzverfahrens am 1. April hält Schneider für nicht gefährdet. Der Beginn zu diesem Zeitpunkt sei zwingend nötig, da dann das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit auslaufe und die Zahlung der Löhne für Mitarbeiter der insolventen Walter-Bereiche nicht möglich sei. (apa/red)

