Mittwoch, 2. März 2005

"Bleiben 18 Monate, höre ich auf": Start in Olympia-Jahr oder Karriere-Aus für Knauß

  • 34-jähriger Schladminger kämpft mit Anwalt Flick weiter
  • Knauß von vorsätzlichem Doping freigesprochen

Österreichs Ski-Ass Hans Knauß hat seine weitere Karriere unmissverständlich von der Dauer seiner Doping-Sperre abhängig gemacht. "Bleiben die 18 Monate, höre ich auf", erklärte der Steirer in einem TV-Interview. Die FIS hatte gegen den Schladminger eine 18-monatige Sperre ausgesprochen, deren Beginn mit 27. November 2004 datiert worden ist. Bei Knauß war nach der Weltcup-Abfahrt in Lake Louise ein überhöhter Wert des anabolen Steroids Nandrolon entdeckt worden.

Sollte die Suspendierung aufrecht bleiben, würde die 34-Jährige die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin versäumen. So weit will es Knauß aber nicht kommen lassen. "Wir lassen nichts ungenützt und kämpfen gegen das Urteil an, notfalls auch vor einem ordentlichen Gericht", kündigte er an.

Der dreiköpfige FIS-Anti-Doping-Ausschuss, der den Österreicher im Rahmen der nordischen Ski-WM in Oberstdorf angehört hatte, ersparte Knauß die Höchststrafe von zwei Jahren Sperre, da der ÖSV-Läufer nicht vorsätzlich gedopt habe. Die 18 Monate wurden wegen "nachlässigen und fahrlässigen" Verhaltens im Umgang mit den Nahrungsergänzungsmitteln ausgesprochen.

Knauß wird nun mit seinem Anwalt Christian Flick den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne anrufen. Die Berufung muss in den kommenden 21 Tagen in Lausanne einlangen. "Wie auf der Piste gibt sich Hans Knauß auch jetzt sehr kämpferisch", erklärte Flick der APA.

Hauptziel sei es, die Sperre von 18 auf zwölf Monate zu reduzieren. Denn dann könnte der 34-Jährige bereits mit den Übersee-Rennen in den Olympia-Winter 2005/2006 einsteigen. Sollte die Sperre jedoch aufrecht bleiben, würde sie erst Ende Mai 2006, also nach den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, ablaufen. In diesem Fall wäre die Karriere von Knauß wohl zu Ende.

Als positivsten Punkt - neben der Tatsache, dass die Sperre bereits mit November 2004 zu laufen begonnen hatte - strich Flick die Tatsache hervor, dass die FIS seinen Klienten von vorsätzlichem Doping freigesprochen hat. "Das ist punkto Image eine sehr wesentliche Korrektur. Damit ist die allergrößte Hürde gefallen. Wir glauben daher, dass wir gute Argumente in Händen haben, um das Strafmaß zu reduzieren. Unser Ziel ist es, dass Hans so schnell wie möglich wieder Rennen fahren kann."

Knauß und Flick haben nun 21 Tage Zeit, um die Rechtmittel beim CAS zu präsentieren. "Wir werden jetzt die Entscheidungsfindung ganz genau analysieren und noch einmal alles in die Waagschale werfen, alle Argumente zusammentragen, zügig und gut arbeiten", kündigte Flick an, der mit einer Entscheidung des CAS eventuell im Mai rechnet.

Vom Gang vor den CAS erwartet sich Flick einiges: "Dort sitzen Experten und Juristen, dort gibt es klare juristische Entscheidungen. Es wird ein wertfreies, neutrales Verfahren, frei von Skipolitik." Flick meinte aber auch, dass angesichts des fortgeschrittenen Alters von Knauß die Zeit drängt: "Wir haben nicht die Zeit wie z.B. Bosman, dass wir ein ganzes System zum Fall bringen."

Wenig überrascht vom Urteil war ÖSV-Alpinchef Hans Pum: "Trotzdem schade, denn ob die Sperre 18 Monate oder zwei Jahre läuft, ist eigentlich egal. So oder so sind zwei Saisonen weg. Ich hoffe auf eine Reduzierung auf ein Jahr."(apa/red)

2.3.2005 21:53