Montag, 7. März 2005

Leichtathletik EM in Madrid: Medaillen-Regen für Österreichs Team am Schlusstag

  • Sensationell: Silber für Mayr-Krifka über die 200 Meter
  • Bronze: Schwarzl im 7-Kampf, Pumper über 3.000 Meter

Österreichs Leichtathletik ist in der Halle weiter für Edelmetall gut. Im Jahr zwei nach dem Rücktritt von Österreichs "Laufgräfin" Stephanie Graf gab es am Sonntag zum Abschluss der 28. Hallen-Europameisterschaften in Madrid gleich drei Medaillen. Sprinterin Karin Mayr-Krifka wurde wie vor drei Jahren bei der Heim-EM im Dusika-Stadion Vizeeuropameisterin über 200 m, Mehrkämpfer Roland Schwarzl holte mit dem tollen ÖLV-Rekord von 6.064 Punkten sensationell Siebenkampf-Bronze und auch Langstreckenläuferin Susanne Pumper wurde über 3.000 m Dritte.

Nach diesem Medaillenregen für den ÖLV innerhalb von einer Stunde, in der in puncto Anzahl das Ergebnis von Wien (drei Mal Silber) egalisiert wurde, trübte nur die Disqualifikation von Elmar Lichtenegger nach Fehlstart im Finale über 60 m Hürden die Riesenfreude in Österreichs Team. Der Hallen-Vizeeuropameister von 2002 wollte sein Comeback nach 15-monatiger Dopingsperre mit Edelmetall in Madrid krönen, doch seine Nerven versagten im entscheidenden Moment.

Mayr-Krifka bestätigte dagegen ihren Ruf als Medaillenbank in der Halle. "Es ist immer wieder ein Super-Gefühl, eine Medaille zu gewinnen", frohlockte die 33-jährige Niederösterreicherin, die den österreichischen Medaillenreigen eröffnete und der am Ende nur 3/100 auf Goldmedaillengewinnerin Iwet Lalowa aus Bulgarien fehlten.

Nur eine halbe Stunde nach dem Silbersprint der alten und neuen Hallen-Vizeeuropameisterin sorgte Roland Schwarzl nicht nur aus österreichischer Sicht für die große Überraschung der Titelkämpfe in der spanischen Hauptstadt. Der 24-Jährige holte hinter Weltrekordler und Olympiasieger Roman Sebrle aus Tschechien, der mit 6.232 Zählern seinen Titel von Wien 2002 erfolgreich verteidigte, sowie dem Russen Alexander Pogorelow (6.111) mit Bronze die erste ÖLV-Mehrkampf-Medaille in der Halle.

"Das ist unglaublich. Ich kann noch gar nicht begreifen, was ich da heute geschafft habe", stammelte Schwarzl nach seinem Medaillencoup in der Königsdisziplin, obwohl er nach seinem starken ersten Tag insgeheim schon mit dem Stockerl spekuliert hatte. Bereits bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen war er mit dem persönlichen Rekord von 8.102 Punkten ausgezeichneter Zehnter geworden, doch im Palacio de Deportes wuchs der in Tirol geborene, in Kärnten aufgewachsene sowie in Salzburg-Rif lebende Wettkampftyp über sich hinaus. Mit zahlreichen Bestleistungen pulverisierte Schwarzl den österreichischen Siebenkampf-Rekord, den seit 6./7. Februar 1999 Thomas Tebbich gehalten hatte, seine eigene Bestmarke steigerte er gleich um 330 Punkte!

Pumper, die nun von der Bahn auf die Straße wechseln wird, machte schließlich den ÖLV-Medaillen-Hattrick perfekt. Die 34-jährige Wienerin, 2002 bei der Heim-EM mit 1,57 Sekunden Rückstand auf Bronze Vierte, musste in 8:47,74 Minuten nur der polnischen Topfavoritin Lidia Chojecka sowie der aus Ostafrika stammenden Türkin Tezeta Desalegn-Dengersa (8:46,65) den Vortritt lassen. "Dieser dritte Platz ist eine unglaubliche Erfahrung, auf der letzten Runde war ich total kaputt, sie war ziemlich schwierig. Ich hatte Angst, dass ich im Ziel stürze, so müde war ich", lautete der erste Kommentar der total erschöpften ÖLV-Rekordlerin, die am Ende nur 2/100 Sekunden Vorsprung auf die viertplatzierte Deutsche Sabrina Mockenhaupt hatte.

Während für die drei ÖLV-Medaillengewinner alles eitel Wonne war, ärgerte sich Lichtenegger über die vergebene Medaille. "Ich bin unglaublich enttäuscht. Denn ein Fehlstart passiert mir fast nie, noch dazu in einem Finale", wusste der 30-Jährige, dass er in Spanien eine Riesenchance ausließ. "Der Starter hat zwar extrem lange gewartet, doch so etwas darf einem erfahrenen Athleten wie mir trotzdem nicht passieren. Ich weiß nicht, was mit mir los war", rätselte der Völkermarkter, der so wie Schwarzl und Pumper bis zu den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking seine Karriere fortsetzen will.(apa)

7.3.2005 08:56