Leichtathletik EM in Madrid: Sensationelle "Bronzene" für Schwarzl im Siebenkampf
- Draufgabe: ÖLV-Rekord mit 6.064 Punkten übertroffen
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Roland Schwarzl hat am Sonntag bei den Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaften in Madrid aus österreichischer Sicht für die Sensation gesorgt. Der 24-jährige Mehrkämpfer wurde mit dem ÖLV-Rekord von 6.064 Punkten hinter Weltrekordler und Olympiasieger Roman Sebrle aus Tschechien, der mit 6.232 Zählern seinen Titel von Wien 2002 erfolgreich verteidigte, sowie dem Russen Alexander Pogorelow (6.111) Dritter. "Das ist unglaublich. Ich kann noch gar nicht begreifen, was ich da heute geschafft habe", stammelte Schwarzl nach seinem Medaillencoup in der spanischen Hauptstadt.
Schwarzl, der bereits als Junior 1999 in Riga Zehnkampf-Dritter geworden war und seither als potenzieller Anwärter auf einen Fixplatz in der traditionsreichen österreichischen Mehrkampf-Geschichte (Sepp Zeilbauer, Georg Werthner und Gernot Kellermayr) galt, bestätigte in Madrid, dass er ein Wettkampftyp ist. "Im Training läuft es oft nicht, doch im Wettkampf kann ich mich enorm steigern", betont der 1,99 m große und 94 kg schwere Athlet, der seit Oktober 2003 mit der ehemaligen ÖLV-Sprinterin Sandra Rehrl verheiratet ist.
Bereits bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen wurde er mit dem persönlichen Rekord von 8.102 Punkten ausgezeichneter Zehnter, doch im Palacio de Deportes wuchs der in Tirol geborene, in Kärnten aufgewachsene sowie in Salzburg-Rif lebende Modellathlet endgültig über sich hinaus. "Ich habe bereits nach Tag eins an eine Medaille gedacht, weil ich weiß, dass der zweite Tag meine große Stärke ist", gestand Schwarzl, dass er nach dem tollen Halbzeitergebnis schon insgeheim mit Edelmetall spekuliert hatte.
Kraftakt über die 1.000 Meter sicherte Bronze
Lediglich sieben Zähler hatten ihn als Dritten nach sechs Disziplinen vom Niederländer Chiel Warners, der eine bessere 1.000-m-Bestzeit hat, getrennt. Doch im abschließenden Lauf über die Mittelstrecke kämpfte Schwarzl wie ein Bär und holte sich am Ende mit neun Punkten Vorsprung auf Warners Bronze. "Ich habe alles gegeben und damit die Medaille gewonnen. Das ist fantastisch", lautete der stolze Kommentar des EM-Dritten.
Mit seinen zahlreichen Bestleistungen pulverisierte Schwarzl auch den österreichischen Siebenkampf-Rekord, den seit 6./7. Februar 1999 Thomas Tebbich gehalten hatte. Der Steirer hatte damals in Frankfurt am Main 5.817 Punkte gesammelt. Und Schwarzls persönliche Bestleistung stand vor der Hallen-EM in Spanien gar "nur" bei 5.734 Zählern aus dem Jahr 2000. In Madrid war er nun gleich um 330 Punkte besser.
Mit dieser gewaltigen Steigerung hat Schwarzl nun seine erste Medaille in der Halle - übrigens Österreichs erste im Mehrkampf bei einem Indoor-Großereignis - erobert, doch sein großes Fernziel lautet Olympia 2008 in Peking, wo er ebenfalls auf dem Stockerl landen will. Aber bis dahin sind noch mehr als drei Jahre Zeit. Seine nächsten großen Zielen heißen in der Freiluft-Saison 2005 Götzis, Mehrkampf-Europacup in Bydgoszcz (Bromberg/Superliga) und Weltmeisterschaften in Helsinki (6. bis 14. August). "Bei der WM sind 8.200 Punkte das Ziel und eine Platzierung wie in Athen um Rang zehn."
Schritt für Schritt will er sich danach weiter nach oben tasten, denn der rot-weiß-rote Rekord von Gernot Kellermayr, 8.320 Punkte (29./30. Mai 1993 in Götzis), ist auch bereits in Reichweite für ihn. "8.800 Punkte darf sich heuer von mir keiner erwarten, ich arbeite auf die Spiele in Peking hin. Ich bin dann erst 27, für einen Zehnkämpfer ist das noch relativ jung. 2012 bin ich auch erst 31. Wenn man die Statistik anschaut, dann sieht man, dass die Olympiasieger an die 30 Jahre sind oder ein bisserl drüber", weiß Schwarzl, dass er das Zeug besitzt, um international ein ganz Großer zu werden.
(apa)
