Montag, 28. Februar 2005

Dramatische Nachrichten aus dem Spital: Kann der Papst nicht mehr selbst essen?

  • Intravenöse Ernährung von Johannes Paul II. möglich
  • Vatikan beruhigt: Erholt sich gut. PLUS: Aktuelle BILDER!

Papst Johannes Paul II. befindet sich vier Tage nach seiner Luftröhrenoperation weiter auf dem Weg der Besserung. Der 84-jährige habe mit Sprachübungen begonnen, um besser atmen und sprechen zu können, teilte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro Valls am Montag mit. Der Genesungsprozess verlaufe "ohne Komplikationen". Ein behandelnder Arzt zeigte sich dem US-Fachmagazin "Inside the Vatican" gegenüber aber nicht so optimistisch. Möglicherweise werde der Papst bald nicht mehr selbstständig essen können. Wasser in der Lunge könnte dazu führen, dass er erstickt. Indes wird jedoch im Vatikan schon über weitere Kardinalsernennungen durch den Papst spekuliert.

Der Papst nehme wieder regelmäßig Nahrung zu sich und könne für einige Stunden sein Bett in der römischen Gemelli-Klinik verlassen, um in seinem Lehnstuhl zu sitzen, hieß es im offiziellen Bulletin des Vatikans. "Sein Allgemeinzustand und die medizinischen Werte sind weiterhin gut." Die nächste Mitteilung über den Zustand des Papstes werde es am Donnerstag geben.

In italienischen Zeitungen wurde heftig darüber spekuliert, ob das Kirchenoberhaupt jemals wieder wird normal sprechen können. Bei der Notoperation wurde ihm eine Kanüle im Rachen eingesetzt, um ihm das Atmen zu erleichtern. Der Sprachexperte Oskar Schindler von der Turiner Universität sagte, die Ärzte könnten bald vor einer "schwierigen Wahl" stehen. Sie könnten "dem Papst entweder das Sprechen, oder das selbstständige Ernähren zu ermöglichen", sagte der Arzt in der Turiner Tageszeitung "La Stampa".

Papst wird mittels Kanüle ernährt
"Der einzige Weg ist, dass der Papst mit einer Kanüle ernährt wird, die die Nahrung direkt zum Magen bringt", sagte Schindler. Ansonsten könne die Nahrung in die Lunge gelangen. Laut Schindler könnte sich der Pontifex mit Hilfe eines modernen Sprachcomputers verständlich machen. Dieser wäre auch mit einem Joystick zu bedienen, wenn dem Papst das Drücken von Tasten schwer falle.

Künftig nur intravenöse Nahrung?
Ein nicht genannter behandelnder Arzt sagte "Inside the Vatican" (Internetausgabe), die Parkinsonsche Krankheit erschwere dem Papst das Schlucken. "Sollte diese Situation anhalten oder sich verschlimmern, müsste man ihn möglicherweise intravenös ernähren." Außerdem führe die im vergangenen Monat fortgeschrittene Nervenkrankheit dazu, dass die Lunge nicht ausreichend Flüssigkeit ausscheiden könne, die sich dann im Organ ansammle. Der Papst laufe Gefahr "zu sterben, als ob er ertrinken würde - um ein etwas drastisches Beispiel zu nennen", sagte der Arzt. Der Papst jedenfalls auch nach einer Rückkehr in seine Gemächer im Apostolischen Palast "rund um die Uhr" von einem Team aus drei Ärzten und einer besonders geschulten Krankenschwester betreut werden müssen.

Der vatikanische "Gesundheitsminister" Javier Lozano Barragan sprach sich für einen längeren Aufenthalt des Papstes im Spital aus. "Auch ohne zu Sprechen kann der Papst die Kirche leiten. Dies ist kein Problem. Aber bitte, diesmal sollte er das Spital nicht zu rasch verlassen. In dieser Genesungsphase darf man es nicht zu eilig habe. Ich hoffe, dass man nicht wie beim letzten Mal handeln wird", sagte Barragan.

Der an der Parkinson-Krankheit leidende Johannes Paul II. wurde am vergangenen Donnerstag nach einem Grippe-Rückfall zum zweiten Mal in diesem Monat in die Gemelli-Klinik in Rom eingeliefert, wo ihm wegen Atemproblemen ein Luftröhrenschnitt gesetzt wurde. Experten hatten vor möglichen Infektionen gewarnt. Am Sonntag zeigte er sich überraschend am Fenster seines Krankenzimmers und winkte Besuchern und Gläubigen vor dem Spital zu. Zum ersten Mal in seiner 26-jährigen Amtszeit hatte der Papst an diesem Tag das traditionelle Sonntagsgebet nicht selbst gesprochen.

Papst lebt "noch Jahre"
"Gut informierte Quellen" im Vatikan gehen indes laut "Inside the Vatican" davon aus, dass der Papst "nicht nur Wochen oder Monate, sondern noch Jahre" leben wird. Daher werde für Ende Juni noch die Ernennung von 15 bis 20 weiteren Kardinälen vorbereitet. Sie sollen jene Purpurträger ersetzen, die heuer und kommendes Jahr wegen Vollendung des 80. Lebensjahres aus dem Papstwahlkollegium herausfallen. Am Dienstag wird der angolanische Kardinal Alexandre do Nascimento 80 Jahre alt, womit es nur noch 118 Papstwähler gibt. Die Obergrenze liegt bei 120. Nur drei künftige Papstwähler sind nicht von Johannes Paul II. ernannt worden, der seit 1978 an der Spitze der römisch-katholischen Kirche steht.

Fini hoffnungsvoll: "Es geht ihm sichtbar besser"
Der italienische Außenminister Gianfranco Fini hat den Papst in der Poliklinik besucht und zeigte sich erleichtert: "Dem Papst geht es sichtbar besser. Sein Zustand bessert sich von Tag zu Tag". Der Außenminister wurde von Bischof Tommaso Caputo, dem Chef des Protokoll-Büros des Vatikans empfangen. (apa/red)

28.2.2005 18:15