Versäumnisse bei Tsunami-Warnung: Staranwalt Ed Fagan bringt Klage ein
- Anwälte vertreten rund 60 Opfer, viele Österreicher dabei
- Kläger optimistisch: "Rechnen uns gute Chancen aus"
Opferanwalt Ed Fagan hat in New York kürzlich die erste Klage nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien vom 26. Dezember eingebracht. Gemeinsam mit den österreichischen Juristen Herwig Hasslacher und Gerhard Podovsovnik stellte er einen Antrag auf Beweissicherung.
Die Anwälte wollen dadurch angebliche Versäumnisse des US-amerikanischen Tsunami Warning Center, der thailändischen Meteorologischen Anstalt, der Hotelgruppe Accor und des Königreichs Thailand belegen. Laut Hasslacher soll es nach einer Frist von 20 Tagen - die Zustellung der gerichtlichen Anordnung eingerechnet 30 Tagen - eine Anhörung geben.
Die Anwälte vertreten rund 60 Opfer, die vorwiegend aus Österreich und Deutschland stammen. Auch Franzosen und Niederländer haben sich der Klage angeschlossen.
Anwalt Herwig Hasslacher zeigte sich im APA-Gespräch optimistisch, dass die Tsunami-Klage Erfolg haben wird: "Wir rechnen uns ganz gute Chancen aus", meinte er. Bei der Flutwelle habe es sich zwar um eine Naturkatastrophe gehandelt, aber die Folgen seien "einfach menschliches Versagen" gewesen. Zahlreiche Recherchen hätten ergeben, dass Versäumnisse beim Umgang mit der Flutwelle vorlägen.
Warnung kam nicht rechtzeitig
Aufklärungsbedürftig ist für die Kläger beispielsweise die Rolle der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die das Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) in Hawaii betreibt. Dort sei das Erdbeben im Indischen Ozean bereits nach fünf Minuten registriert worden, die Möglichkeit eines Tsunamis hätte also erkannt werden können, so der Standpunkt der Anwälte.
Nach einer Viertelstunde sei ein entsprechendes Bulletin herausgegeben worden, allerdings nur an die Pazifikanrainerstaaten, sagte Hasslacher. Thailand und Indonesien, die ebenfalls Mitglieder des Warnsystems seien, habe die Organisation nicht verständigt. Die Behörde solle vorlegen, wann und an wen welche Informationen gegangen sei - "und warum an die Anrainerstaaten im Indischen Ozean nicht?", so der Anwalt.
Die Hotelgruppe Accor, zu der das schwer betroffene Sofitel im thailändischen Khao Lak gehörte, habe gewusst, "dass dort eine Bebenlinie ist", sagte der Anwalt. In den Monaten vor dem fatalen Erdstoß habe es bereits zahlreiche leichtere Beben gegeben. Hier gelte es, die Vorsorgemaßnahmen zu untersuchen. Laut Hasslacher verfügt die Hotelkette über eine zentrale Sicherheitsstelle, die damit betraut wäre: "Warum haben die nicht gewarnt?"
Ein Versagen vermuten die Anwälte auch bei der meteorologischen Behörde Thailands. Diese habe eine Stunde vor Eintreffen der Flutwelle von der Gefahr gewusst.
Nach Einlangen des Beweismaterials wollen die Anwälte eine Klage formulieren und versuchen, zu einer außergerichtlichen Einigung zu kommen, kündigte Hasslacher an. Zudem solle ein "humanitärer Fond", der die Ansprüche aller Opfer und Angehörigen bediene, eingerichtet werden. (apa/red)
