Entführte Journalistin im Irak freigelassen:
Auf Rückweg unter US-Beschuss geraten!!!
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Unmittelbar nach ihrer Freilassung aus der Gewalt von Entführern im Irak ist die italienische Journalistin Giuliana Sgrena am Freitag von US-Soldaten in Bagdad beschossen und verletzt worden. Sgrena sei beim Beschuss ihres Konvois verletzt und ein italienischer Geheimdienstmitarbeiter, der bei den Verhandlungen zur Freilassung Sgrenas geholfen habe, getötet worden, sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Freitagabend und bestätigte damit Angaben der Zeitung "Il Manifesto". Sgrena wurde demnach an der Schulter verletzt und in ein US-Militärkrankenhaus eingeliefert.
Der Konvoi sollte die italienische Journalistin nach ihrer Befreiung aus der Gewalt ihrer Entführer zum Bagdader Flughafen bringen. Nach Angaben von "Il Manifesto" ereignete sich der dramatische Zwischenfall an einem Kontrollposten der multinationalen Streitkräfte im Irak. Demnach wurde bei dem Beschuss des Konvois der Leiter der italienischen Spezialkräfte im Irak, Nicola Calipari, getötet. Ein Freund der Journalistin, Pier Scolari, wurde in den italienischen Medien mit den Worten zitiert: "Sie wäre beinahe von den Amerikanern getötet worden."
Pentagon bestätigt Vorfall
Das Pentagon hat am Freitag bestätigt, dass der Konvoi mit Sgrena unter Beschuss gekommen ist. Laut einem Sprecher der US-Militärverwaltung im Irak ist das Auto mit den Italienern "mit erhöhter Geschwindigkeit" auf einen Checkpoint zugefahren. Ein Sprecher des Pentagon erklärte, der Vorfall sei bei "Camp Victory" geschehen, einer US-Militärbasis nahe dem Flughafen von Bagdad. Der Vorfall werde untersucht, US-Präsident Bush hat sich für den Tod des Geheimdienstmitarbeiters entschuldigt.
Der erschossene Geheimdienstbeamte habe sich schützend über den Körper der befreiten Journalistin Sgrena gebeugt habe, berichtete der US-Sender CNN.
US-Soldaten nicht nach Vorschrift gehandelt
Laut den Vorschriften für militärische Kontrollpunkte im Irak müssten vor einem Beschuss eines sich nähernden Autos Warnsignale abgegeben werden. Die Soldaten fürchten Selbstmordanschläge durch mit Sprengstoff gefüllte Autos. Bereits zuvor wurde häufig über den irrtümlichen Beschuss von Autos mit irakischen Zivilisten berichtet. Bei einem dieser Vorfälle wurden in Mosul Eltern vor den Augen ihrer sechs Kinder im Auto erschossen.
US-Botschafter in Italien zu Berlusconi zitiert
Berlusconi sagte, nach dem Zwischenfall habe seine Regierung den US-Botschafter in Rom einbestellt. Die Berichte über den dramatischen Zwischenfall dämpften in Italien die Freude über die Freilassung der 56-Jährigen. Die Freue habe sich in Trauer verwandelt, sagte Berlusconi im Fernsehen. "Wir sind wie versteinert. Wir suchen die Verantwortlichen. Für einen so schwerwiegenden Vorfall muss jemand die Verantwortung übernehmen."
Sgrena war von ihren Entführern verschleppt worden, nachdem sie eine Moschee in Bagdad aufgesucht hatte, in der Flüchtlinge aus Falluja Unterschlupf gefunden hatten. Zu ihrer Entführung hatten sich verschiedene Gruppen bekannt, ohne dass die Echtheit der Bekennerschreiben nachgewiesen werden konnte. Auch über mögliche Forderungen der Entführer wurde nichts bekannt.
Sgrena dankt Entführern "für die gute Behandlung"
Der Fernsehsender Al Jazeera strahlte am Freitag eine weitere Videoaufnahme aus, auf der Sgrena ihren Entführern "für die gute Behandlung" dankt. Diese hätten sie entführt, weil sie entschlossen seien, "ihr Land von der Besatzung zu befreien". Am 16. Februar hatten die Entführer ein Videoband veröffentlicht, auf dem die sichtlich gezeichnete Sgrena unter Tränen um ihr Leben flehte und um den Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak bat.
Mitte Februar hatten in Rom eine halbe Million Menschen für die Freilassung der Journalistin demonstriert. Italien hat 3000 Soldaten in den Irak entsandt. Die linksgerichtete Zeitung "Il Manifesto", für die Sgrena seit 1988 arbeitet, hatte die Beteiligung Italiens am Irak-Krieg stets kritisiert. Die "Zeit" reagierte in Hamburg "mit großer Freude" auf die Nachricht von der Freilassung Sgrenas.
(apa/red)
