Freitag, 4. März 2005

Nach Bürgerkrieg nun nächstes Elend: Dem Sudan droht eine Hungerkatastrophe

  • "Care": Eine Million mit akuter Nahrungsmittelknappheit

Dem krisengeschüttelten afrikanischen Riesenstaat Sudan droht laut Hilfsorganisation "Care" eine neue Katastrophe: Demnach sollen in der Provinz Kordofan rund eine Million Menschen an akuter Nahrungsmittelknappheit leiden. Trockenheit, steigende Getreidepreise und eine kritische Sicherheitslage würden rasche internationale Finanzhilfe erfordern, hieß es am Freitag in einer Aussendung.

"Was bis jetzt an Finanzmitteln zugesagt wurde, ist viel zu wenig", schlägt Leo Roozendaal von Care-Sudan Alarm. "Damit eine weitere Hungersnot im Sudan abgewendet werden kann, müssen so schnell wie möglich mehr Ressourcen mobilisiert werden. Langfristig kann sich das Land nur erholen, wenn die Hilfe besser koordiniert wird und Nothilfeprojekte mit langfristigen Hilfsprojekten kombiniert werden. Es muss den Menschen ermöglicht werden, selbst genug Lebensmittel zu produzieren."

Care sei die einzige Hilfsorganisation im Sudan, die genug Kapazitäten habe, "sofort ein Programm in großem Umfang zu starten". Deshalb wird nun an internationale Großspender appelliert, Geld zur Verfügung zu stellen, um die Hilfe für 266.000 Menschen in 70 Dörfern zu ermöglichen. Geplant sei die Verteilung von Hirse, Erdnüssen, Bohnen und Sesam.

Bis zuletzt konnte Care rund 65.000 Menschen in Nord- und Westkordofan helfen: Es wurde Saatgut verteilt, Farmer-Trainings durchgeführt und Dorf-Komitees zur Verwaltung der Ressourcen gegründet. Die Bauern konnten ihre Produktion durch diese Aktivitäten um 35 Prozent steigern. Die internationale Hilfsorganisation ist seit 1979 im Sudan mit Hilfsprojekten aktiv.

Kordofan ist unmittelbarer Nachbar der Krisenprovinz Darfur. Sie hat eine Ausdehnung von 381.000 Quadratkilometer und ist damit mehr als viereinhalb mal so groß wie Österreich. Etwa 3,1 Mio. Menschen leben in der Region. (apa)

4.3.2005 15:42