Ärztestreik in Italien: Zehntausende Operationen mussten verschoben werden
- Rund 150.000 Mediziner beteiligten sich an Protest
- Kritik: "Verarmung" von Italiens Gesundheitswesen
Wegen eines Streiks der Krankenhaus-Ärzte sind am Freitag in Italien rund 90.000 Operationen verschoben worden. Nur die Behandlung von Notfällen war sichergestellt. An dem Ausstand beteiligten sich Medienberichten zufolge zirka 150.000 Mediziner. Sie wollten damit gegen geplante Reformen des italienischen Gesundheitswesens protestieren und mehr finanzielle Mittel für die Krankenhäuser verlangen. Sie fordern außerdem die Erneuerung ihres Berufsvertrags, der seit über drei Jahren abgelaufen ist. "Der Vertragsentwurf, den uns die Regierung vorgelegt hat, ist unannehmbar", sagte ein Sprecher des Gewerkschaftsverbands Cgil.
Die Ärzte protestierten unter anderem gegen den "chronischen Mangel an Finanzierungen, unter dem das öffentliche Gesundheitswesen leidet". "Die technologischen Einrichtungen sind veraltet, jedes Jahr reduziert die Regierung die öffentlichen Mittel für das Gesundheitssystem um drei Prozent", bemängelten die Ärzte.
Das Personal in Krankenhäusern sei aus Spargründen bereits stark reduziert worden, Überarbeitung und Stress seien die Norm. Die Regierung Berlusconi verfolge das Ziel eines progressiven Abbaus des öffentlichen Gesundheitssystems zu Gunsten privater Kliniken, meinten die Ärzte.
Gesundheitsminister Girolamo Sirchia kritisierte die Arbeitsniederlegungen als unnötig und erklärte sich bereit, sich mit den Forderungen der Ärzte befassen zu wollen. (apa)
