Bomben-Terror in Indonesien: Anführer Bashir zu zweieinhalb Jahren verurteilt
- Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Gefängnis gefordert
- USA und Australien sind über mildes Urteil enttäuscht
Der indonesische Islamistenführer Abu Bakar Bashir ist am Donnerstag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht in der Hauptstadt Jakarta sah es als erwiesen an, dass der 66-Jährige in den doppelten Bombenanschlag auf der Ferieninsel Bali im Oktober 2002 verwickelt war, bei dem 202 Menschen getötet wurden. Zugleich sprachen ihn die Richter frei vom Vorwurf der Beteiligung am Attentat auf das "Mariott"-Hotel in Jakarta im August 2003. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Gefängnis gefordert.
Ursprünglich hatte die Anklage Bashir die direkte Beteiligung an der Planung des Attentats von Bali vorgeworfen. Sie ließ diesen Hauptanklagepunkt im Laufe des Prozesses, der im vergangenen Oktober begonnen hatte, aber mangels Beweisen wieder fallen. Bashir wurde nun lediglich verurteilt, weil er den Attentätern nach Ansicht des Gerichts grünes Licht für die Anschläge auf Bali gab.
Bashir nannte das Urteil auf dem Weg aus dem Gerichtssaal einen "Akt der Tyrannei", er werde von "Leuten im In- und Ausland unterdrückt". Vor hunderten jubelnden Anhängern sagte er weiter: "Sie betrachten das islamische Recht als Fessel und sind Sklaven unmoralischen Verhaltens. Allah, öffne ihre Herzen oder zerstöre sie." Ein mit einem roten Kopftuch vermummter Anhänger rief: "Zerschmettert Amerika und seine Lakaien!" Bashir kündigte an, in Berufung zu gehen.
US-Botschaft: Respektieren Entscheidung der Gerichte
Die USA und Australien zeigten sich "enttäuscht" von dem Richterspruch. "Wir respektieren die Unabhängigkeit und die Entscheidung der indonesischen Gerichte, sind aber in Anbetracht der Schwere der Anklage, auf Grundlage derer er verurteilt wurde, enttäuscht von der Länge der Strafe", erklärte ein Sprecher der US-Botschaft in Jakarta nach dem Urteilsspruch.
Auch der australische Außenminister Alexander Downer sagte, sein Land hätte eine höhere Strafe für Bashir erwartet. Er hoffe, dass die Staatsanwaltschaft in Berufung gehe. Unter den Todesopfern der Anschläge auf Bali befanden sich 88 Australier.
Bashir hat stets bestritten, etwas mit den anti-westlichen Anschlägen in Indonesien zu tun zu haben. Er wies auch Beschuldigungen Australiens und der USA zurück, geistlicher Führer des islamistischen Netzwerks Jemaah Islamiyah (JI) zu sein. Jemaah Islamiyah kämpft für die Errichtung eines Gottesstaats in den moslemischen Ländern Südostasiens. Indonesien ist weltweit das Land mit den meisten moslemischen Staatsangehörigen. (apa/red)
