Mittwoch, 2. März 2005

Wieder Zusammenstoß im Kongo: Soldaten
der UNO töten mindestens 50 Milizionäre

  • Auch Zivilisten sollen bombardiert worden sein

UNO-Friedenssoldaten haben nach eigenen Angaben rund 60 Miliz-Kämpfer im Nordosten Kongos getötet. Wie UNO-Oberst Dominique Demange am Mittwoch mitteilte, fand das Gefecht am Dienstag in der Provinz Ituri in einem Gebiet statt, in dem am vergangenen Freitag neun Blauhelmsoldaten aus Bangladesch in einem Hinterhalt getötet wurden. Auch diesmal sei der Angriff von den Miliz-Kämpfern ausgegangen. "Im Einsatz wurden wir beschossen, also haben wir umgehend das Feuer erwidert", sagte Demange. Die UNO drohte weitere Aktionen an.

Die 240 UNO-Blauhelmsoldaten seien von zwei Transporthubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen unterstützt worden, sagte UNO-Militärsprecher Jean-Francois Collot D'Escury. Bei den Angreifern habe es sich um Kämpfer der Lendu-Gruppe Nationalistische und Integrationistische Front gehandelt. Seit Dezember hätten diese in dem Gebiet nördlich der Provinzhauptstadt Bunia 70.000 Menschen vertrieben. "Diese Gruppe plündert, mordet und vergewaltigt weiter", sagte er. Die Militäraktion sei somit im Rahmen des UNO-Auftrags zum Schutz von Zivilisten erfolgt. "Wir schicken den Milizen ein starkes Signal, dass wir es ernst meinen", verlautete aus UNO-Kreisen.

D'Escury warf den Rebellen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor, weil sie unschuldige Bürger als menschliche Schutzschilde verwendet hätten. Zugleich drohte er ihnen weitere Militäraktionen an. "Die Milizionäre haben keine andere Wahl als die Waffen niederzulegen. Wenn die bewaffneten Banden weiter ihre Waffen gegen uns einsetzen, werden wir antworten", betonte er.

Ein Sprecher der Lendu-Volksgruppe sagte, dass die UNO-Truppen auch über zivilen Gebieten Bomben abgeworfen hätten. "Die Menschen verbrannten in ihren Häusern", sagte Larry Batsi Thewi. Drei Kinder und mehrere Frauen seien unter den Toten. Die UNO sprach von zwei Verletzten unter ihren Soldaten.

Der kongolesische Verteidigungsminister Adolphe Onusumba sagte, seine Regierung unterstütze das Vorgehen der UNO-Truppen. "Ich war über die Operation nicht informiert, aber alles, was zur Zerschlagung dieser Milizen getan wird, ist im Interesse der Kongolesen", betonte er.

Die UNO-Truppen sind in Ituri stationiert, um dort Kämpfe zwischen den Volksgruppen der Hema und Lendu zu verhindern. Seit 1999 wurden in diesem Konflikt 70.000 Menschen getötet. Die aus 16.000 Soldaten bestehende Kongo-Mission (MONUC) ist der teuerste und einer der größten der weltweit 17 UNO-Friedenseinsätze.

In dem früheren Zaire wurde 2003 offiziell ein fünf Jahre dauernder Bürgerkrieg beendet, während dessen rund vier Millionen Menschen durch Kämpfe und Hungersnöte ums Leben kamen. Im Norden werden aber noch immer viele Landesteile von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Sie profitieren vom illegalen Abbau und Verkauf seltener Mineralien wie Coltan, das in Kongo vorkommt und vor allem bei der Handy-Herstellung genutzt wird. Viele der Gruppen bekämpfen sich gegenseitig und terrorisieren dabei die Bevölkerung.
(apa)

2.3.2005 14:46