Samstag, 5. März 2005

"Sprechen nicht vom Tod des Feldhasen": Schröder gibt Verwaltungsfehler die Schuld

  • Kein Rücktritt: "Verbiete mir Gefühle wie Peinlichkeit"
  • "profil": Albertina-Direktor attackiert Bundesdenkmalamt!

"Wir sprechen nicht vom Tod des Feldhasen", sondern vielmehr "über einen gravierenden Verwaltungsfehler", der sich auf keinen Fall wiederholen dürfe, forderte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder dazu auf, in der "Hasen-Affäre" die "Maßstäbe in Augen zu behalten". Sein Rücktritt wäre nicht nur dann "gerechtfertigt und notwendig" gewesen, wenn Werke zu Schaden gekommen wären, sondern auch "wenn wir nicht alles unternommen hätten, sicherzustellen, dass sie nicht zu Schaden kommen", sagte Schröder in einem Radio-Interview.

Tatsächlich seien aber beispiellose konservatorische Maßnahmen ergriffen worden, nichts sei "dem Zufall überlassen gewesen". "Ich würde mir die größten Vorwürfe machen und rücktrittsreif sein, hätte ich eine dieser Maßnahmen unterlassen", sagte Schröder, der betonte, bewusst die Entscheidung getroffen zu haben, das Ritual nicht zu bedienen, seinen Rücktritt anzubieten. In den vergangenen Nächten habe er aber für sich "insgeheim schon alle möglichen Konsequenzen vorstellen können".

Schröder betonte erneut, dass die gesamtorganisatorische Verantwortung "selbstverständlich bei der Albertina und damit bei ihrem Direktor" liege. Es stehe außer Frage, dass ein Fehler passiert sei, für den er aber bewusst keinen Schuldigen suche: "Mich interessieren nicht Schuldige, mich interessiert der Weg, wie man Fehler vermeiden kann."

Schröder wiederholte, dass er zuversichtlich sei, dass es eine Lösung dafür gibt, dass fünf Dürer-Werke länger als die vier vom Bundesdenkmalamt (BDA) erlaubten Wochen im Prado zu sehen sein werden. Er betonte auch, dass der entsprechende Bescheid des BDA eine Entscheidung in erster Instanz sei, die noch nicht rechtsgültig sei. Ob er sie beeinspruchen werde bzw. einen Einspruch erwägt, wollte Schröder nicht sagen. Sollte der Bescheid aufrecht bleiben, stehe außer Frage, dass die Werke nach vier Wochen abgehängt und sofort nach Österreich retourniert würden.

Befragt, ob ihm die Angelegenheit peinlich gewesen sei, meinte Schröder, es sei nicht Aufgabe eines Museumsdirektors, hier mit Peinlichkeitsgefühlen zu reagieren: "Hier sollte man möglichst alles unternehmen, um zu Entemotionalisierung, Enthysterisierung und Enteskalierung beizutragen, daher verbiete ich mir Gefühle wie Peinlichkeit oder Ähnliches." (apa/red)

5.3.2005 14:48