Neustart für St. Pöltner Priesterseminar: Küng ernennt Anton Leichtfried zu Regens
- Seit 2000 Spiritual im niederösterreichischen Horn
- Leichtfried: "Stehe für Neubeginn in Priesterausbildung"
Das St. Pöltner Priesterseminar wird im Herbst seinen Betrieb wieder aufnehmen. Diözesanbischof Klaus Küng stellte am Freitag die neue Leitung vor: Regens wird Anton Leichtfried, seit dem Jahr 2000 Spiritual des Propädeutikums (Vorbereitungsjahr auf das Priesterseminar) in Horn, das Amt des Subregens übernimmt Gerhard Reitzinger, derzeit Kaplan in der Dompfarre St. Pölten.
"Gemeinsam mit dem Bischof stehe ich für einen Neubeginn in der Priesterausbildung in St. Pölten", betonte Leichtfried. Dieser Neubeginn sei angesichts des durch die Vorkommnisse erschütterten Vertrauens in die Priesterausbildung erforderlich. Voraussetzungen für die Aufnahme ins Seminar seien eine "gesunde, stabile, ehrliche Persönlichkeit und ein lebendiger persönlicher Glaube". In diesem Zusammenhang zitierte der neue Regens den Bischof: "Je größer der Priestermangel, desto wichtiger ist die Auswahl der Priesteramtskandidaten".
Leichtfried seit 1991 Priester
Anton Leichtfried, Jahrgang 1967, stammt aus Purgstall an der Erlauf. Zwei Jahren Priesterseminar und Theologiestudium in St. Pölten folgte die weitere Ausbildung in Rom (Priesterseminar und Jesuiten-Universität Gregoriana). 1991 wurde Leichtfried zum Priester geweiht und absolvierte Kaplansjahre in Niederösterreich, ehe er in Freiburg im Breisgau ein Doktoratsstudium (Dogmatische Theologie) abschloss.
Gerhard Reitzinger (1968 in Steyr, OÖ geboren) war ebenfalls Seminarist in St. Pölten. 1995 zum Priester geweiht, wurde er vier Jahre später für das Doktoratsstudium in Freiburg freigestellt.
Küng froh über Entscheidung
Zur Personensuche für die Leitung des Priesterseminars habe er viele Gespräche geführt, erläuterte Küng. Er sei "sehr froh über die beiden", die überdies in der Diözese eingebettet seien. In den nächsten Monaten würden alle Vorbereitungen getroffen, um mit neuem Schwung und großem Optimismus neu zu beginnen. Das Priesterseminar als "Herzstück" der Diözese werde in enger Zusammenarbeit mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule ein spirituelles Angebot für die Studierenden entwickeln, ein weiteres Anliegen sei die Entfaltung der diözesanen Jugendarbeit. Vom Priesterseminar aus werden auch die Kapläne und Jungpriester der Diözese begleitet werden.
Im Herbst 2004 hat eine Kommission mit 28 Bewerbern für das Priesterseminar ausführliche Gespräche geführt. 14 sind laut Küng in die nähere Wahl gekommen. Für diese Anwärter wurden auch Pläne zur Überbrückung des Jahres - u.a. in Horn, in Pfarren und in Heiligenkreuz - gemacht.
Strengere Auswahl der Priester-Kandidaten
Maßnahmen, um problematische Vorgänge wie in der Vergangenheit auszuschalten, sind für Küng und Leichtfried in erster Linie die strenge Auswahl der Priesterseminaristen zum Wohle aller. Zweiter wichtiger Punkt sei ein "lebendiges, erfülltes Gemeinschaftsleben". Er habe in Horn erlebt, was eine "gesunde" Gemeinschaft nicht nur an Negativem verhindere, sondern an Positivem hervorbringe, meinte der neue Regens.
Küng, seit Ende Juli zunächst als apostolischer Visitator (zur Untersuchung von homosexuellen Vorkommnissen und der Kinderporno-Affäre im Priesterseminar) und seit Herbst als Diözesanbischof in St. Pölten, hat nach eigenen Angaben "sehr intensive Monate" hinter sich. Im Prozess des Kennenlernens seien ihm schon viele Menschen vertraut, es seien "viele Leute guten Willens" da. Er sehe es als seine Aufgabe, "frische Luft herein zu lassen". Im Zusammenhang mit den vergangenen Problemen im Priesterseminar kündigte der Bischof auch die Einrichtung einer Ombudsstelle in der Diözese an.
Auszeit für Ex-Regens
Angesprochen auf die Amtsvorgänger der vorgestellten neuen Leiter des Alumnats meinte Küng, für beide sei eine halbjährige "Auszeit" festgelegt worden. Bei Wolfgang Rothe gelte dies für gewisse Funktionen für ein Jahr, Ulrich Küchl sei die Wiederübernahme der Pfarre Eisgarn in Aussicht gestellt (die Propstei ist derzeit für ein Jahr stillgelegt).
Auf Fragen von Journalisten erklärte Küng, Altbischof Kurt Krenn gehe es gut. Dessen künftige Wohnung sei beinahe fertig gestellt, sein Amtsvorgänger werde daher noch in diesem Monat übersiedeln.
Hinsichtlich der - mitunter als streng konservativ kritisierten - Ordensgemeinschaften in der Diözese stellte Küng einen Vergleich mit einer Autobahn an, wo in der Mitte, links oder rechts gefahren werde: "Ich sage aber allen, ich rate davon ab, neben der Straße zu fahren." Es gelte, nach den Regeln der Weltkirche möglichst in die gleiche Richtung zu gehen. Das Wichtigste sei der Blick auf Gott, um mit offenem Ohr für das Evangelium den Weg zu erkennen. Seine Aufgabe als Bischof sieht Küng nicht als "Moderator", sondern im Hirtenamt.
(apa)
