61.000 Kinder berufstätiger Mütter ohne
Betreungsplatz: AK fordert Verbesserungen
- Vor allem bei Unter 3-Jährigen dramatische Lücken
- Problem stellen auch die zu kurzen Öffnungszeiten dar
Die Arbeiterkammer fordert erhöhte Anstrengung zum Schließen der Lücke in der Kinderbetreuung. Fast 61.000 Kinder unter drei Jahren haben derzeit trotz berufstätiger Mutter keinen Betreuungsplatz. Das sind um 8.300 mehr als noch 2001, berichteten der Leiter des Sozialbereichs in der AK, Christoph Klein und Sybille Pirklbauer von der Abteilung Frauen und Familien, am Freitag in einer Pressekonferenz. Der Grund dafür liege darin, dass der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen nicht mit der steigenden Erwerbsbeteiligung der Frauen Schritt halten könne.
Nach einer Auswertung der Kindertagesheim-Statistik der Statistik Austria durch die AK lassen vor allem bei den Unter 3-Jährigen und bei den 6- bis 9-Jährigen die Betreuungsquoten zu wünschen übrig. Bei den Kleinsten sei Österreich vom EU-Ziel einer Betreuungsquote von 33 Prozent noch meilenweit entfernt, kritisierte Klein. Wenn das Tempo beim Ausbau nicht rasch beschleunigt werde, dann werde es dreißig Jahre dauern, bis Österreich dieses Ziel erreicht. Seit 1995 sei die Betreuungsquote der Unter 3-Jährigen nur um 0,75 Prozent pro Jahr gestiegen. Wenn man neben den Kindertagesheimen auch alle anderen Betreuungsformen wie Tageseltern hinzurechnet, dann lag die Quote im Jahr 2003 bei elf Prozent. Nach Bundesländern ist sie in Wien mit 24 Prozent am höchsten und in Tirol mit vier Prozent am niedrigsten.
Bei den 6- bis 9-Jährigen hatten 2003 19 Prozent der Kinder einen Betreuungsplatz. Auch hier schneidet Wien mit 54 Prozent am besten ab, Schlusslicht sind auch hier Tirol sowie Vorarlberg mit je vier Prozent. Deutlich besser ist die Situation bei den 3- bis 5-Jährigen. In dieser Altersgruppe haben 85 Prozent der Kinder einen Betreuungsplatz, wobei hier das Burgenland mit 99 Prozent die Nase vorne hat und Kärnten mit 74 Prozent das Schlusslicht bildet.
Zu kurze Öffnungszeiten
Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind aber auch die Öffnungszeiten ein wichtiges Kriterium. Während in der Früh ein Öffnen zumindest ab 7.30 Uhr bundesweit üblich ist, sieht es am Nachmittag bzw Abend wesentlich schlechter aus. Haben Horte zumeist auch noch nach 16 Uhr offen, schließen Kindergärten vielfach deutlich früher. Besonders extrem ist die Situation in Tirol, wo rund 80 Prozent der Kindergärten spätestens um 15 Uhr dicht machen, in Vorarlberg sind es mehr als 60 Prozent. Aber auch in Niederösterreich, Salzburg und Oberösterreich hat fast die Hälfte der Kindergärten höchstens bis 15 Uhr offen.
Laut einer Mikrozensuserhebung bei den Eltern aus dem Jahr 2002 fehlt für 47.700 Kinder eine Betreuungseinrichtung überhaupt und für 41.700 Kinder ist das vorhandene Angebot unzureichend. Das Defizit betrage also insgesamt rund 90.000 Betreuungsplätze. Die Regierung hatte zuletzt nur von 18.000 fehlenden Plätzen gesprochen.
AK: Bedarslücke muss geschlossen werden
Die AK fordert nun ein Schließen der von den Eltern im Mikrozensus geäußerte Bedarfslücke von 90.000 Plätzen. Dafür seien rund 288 Millionen Euro im ersten Jahr und etwa 240 Millionen für die weiteren Jahre erforderlich. Dieses Geld sei vorhanden, meint die AK und verweist auf das mit 230 Mio. Euro dotierte Familienpaket der Steuerreform 2005. Darüber hinaus verweist die AK auf eine Studie von Synthesis, wonach 25.000 Frauen in Beschäftigung kommen könnten, würde die Lücke in der Kinderbetreuung geschlossen. Damit würde die Hälfte der Kosten für die Kinderbetreuung in Form von Steuern und Sozialversicherungsabgaben und Einsparungen bei Arbeitslosengeld und Notstandshilfe wieder an den Staat zurückfließen. Erste Schätzungen gehen von Einsparungen bis zu 130 Millionen Euro aus.
(apa/red)
