Donnerstag, 3. März 2005

Einigung zu Wiener Nord-Ost-Umfahrung: Tunnelvariante unter Donau wird umgesetzt

  • Weitere Trasse der Autobahn soll über nö. Gebiet führen
  • Der neue Zentralbahnhof soll ab 2007 gebaut werden

Nach jahrelangen Streitigkeiten steht nun die Trasse für die Wiener Nordost-Umfahrung (S1) fest. Die Donau wird demnach von Schwechat kommend per zweiröhrigem Tunnel unterfahren. Auch unter der Lobau wird ein Tunnel gebaut, dann führt die Trasse in der so genannten Außenvariante großteils auf niederösterreichischem Boden zum Knoten Deutsch-Wagram. Die Einigung erfolgte am Donnerstag in einem Treffen von Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) mit Bürgermeister Michael Häupl (S).

Der Umfahrungsring um Wien soll nach Angaben des Ministers in seiner Gesamtheit bis 2014 fertig sein und insgesamt 2,6 Mrd. Euro kosten. Weitere Verzögerungen - auch in Finanzierungsfragen - schloss Gorbach aus. "Wir haben uns relativ rasch auf eine - wie ich meine - sehr gute Lösung geeinigt", zeigte er sich nach den rund einstündigen Gespräch im Parlament erfreut. Auch Häupl gab sich über die Lösung zufrieden, die seiner Ansicht nach den Schutz des Nationalparks Donauauen sicherstellt: "Die Umfahrungsfrage ist jetzt im Grundsatz so gelöst, dass die Asfinag alle weiteren Planungen durchführen kann."

Zwei statt vier Röhren
Die nun präsentierte Kompromissvariante war bereits am Mittwoch durchgesickert. Der Donautunnel wird demnach nur zwei- statt vierröhrig errichtet. Im Gegenzug wird weiter nordöstlich eine zusätzliche Straßenverbindung zwischen der Donauufer- und der Ostautobahn (A22 und A4) gebaut. Wien wünscht sich auch bei dieser Straße eine unterirdische Trasse, endgültig beantwortet wurde diese Frage am Donnerstag aber nicht. Die umstrittene Verlängerung der A22 entlang des Nationalparks Donauauen kann damit großteils entfallen.

Wien hatte bei der S1 immer vehement für den Donautunnel und gegen die Kostenargumente der Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs AG (Asfinag) für eine Brücke argumentiert, und zwar aus Umweltschutzgründen. Dafür, dass dies nun realisiert wird, hat Häupl die "Außenvariante" der weiteren Streckenführung akzeptiert, durch die das Stadtentwicklungsgebiet auf dem Asperner Flugfeld in Wien-Donaustadt jetzt keine direkte Autobahnanbindung bekommt. Erschlossen wird es stattdessen über die ausgebaute Bundesstraße B3d.

Kritik von der ÖVP
"Diese Einigung, so wie sie jetzt erzielt wurde, hätte die Wiener SP-Stadtregierung aber schon vor Monaten erreichen können. In Wirklichkeit ist bis dato unnötig viel Zeit verstrichen", sagte der Obmann der ÖVP Wien, Stadtrat Johannes Hahn, in einer ersten Reaktion. Nun müsse Vizekanzler Gorbach (F) als nächsten Schritt rasch die für den Bau "notwendige Trassenverordnung gemäß Paragraf 14 des Bundesstraßengesetzes erlassen".

Nachdem über Jahrzehnte Expertengespräche stattgefunden hätten und alle Fakten auf dem Tisch liegen würden, stehe einer umgehenden Realisierung nichts mehr im Wege, so Hahn: Neuerlich in Expertengespräche einzutreten, sei "nur unnötige Zeitverzögerung". Die Klärung aller Detailfragen könne nach der Trassenverordnung erfolgen.

Zentralbahnhof wird ab 2007/2008 gebaut
Auch im Eisenbahn-Bereich einigten sich Wien und der Bund: Der Zentralbahnhof unweit des heutigen Südbahnhofs soll nun doch schon ab 2007/08 gebaut werden, und nicht - wie im ÖBB-Rahmenplan vorgesehen - erst ab 2009. Wien hat dafür 120 Mio. Euro an Investitionen zugesagt, hieß es seitens der ÖBB. Insgesamt kostet der Bahnhof 420 Mio. Euro. Geeinigt hat man sich auch bei diversen Güterverkehrsprojekten.

Hoch erfreut über die Einigung zeigte man sich bei der FPÖ. Im Gegensatz zu SPÖ und ÖVP sei man immer für die Außenvariante der S1 eingetreten, jetzt habe man "auf ganzer Linie gesiegt". Die Grünen sprachen dagegen von einem "schweren Schaden für die Wiener Wirtschaft" durch diese Streckenführung. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 beklagte den "faulen Kompromiss" und sprach von einer "ökologischen Scheinlösung" des Tunnels.
(apa)

3.3.2005 18:02