Neue Ära: Priesterseminar in St. Pölten soll
im Herbst wieder den Betrieb aufnehmen
- Exerzitien für Kandidaten noch vor Ostern
- Zölibat setzt "heterosexuelle Geneigtheit" voraus
·Küng zu Austritten: Anhalten möglich
Zahl der Priester seit 1950 um ein Drittel gesunken
Das St. Pöltner Priesterseminar soll im Herbst 2005 seinen Betrieb wieder aufnehmen. Laut einer Kathpress-Aussendung hat Diözesanbischof Klaus Küng in einem "Tagespost"-Interview angekündigt, dass es noch vor Ostern für alle prinzipiell im Seminar zugelassenen Kandidaten Exerzitien geben werde. Das Seminar sei ihm ein sehr großes Anliegen. Er habe sich vorgenommen, dort regelmäßig anwesend zu sein, geistliche Impulse zu geben und das Gespräch mit den Studenten zu suchen.
Zur Frage, wie der Priestermangel überwunden werden könne, forderte der Bischof verstärkte Anstrengungen in den Diözesen, um Jugendliche für eine Auseinandersetzung mit ihrer persönlichen Berufung zu gewinnen. Dazu brauche es auch Angebote unterschiedlichster Art: Gebetsschulungen, lebensnahe Erklärungen des Christseins, geistliche Orte, Aktionen für den Lebensschutz und die Familie. Wertvoll könne es auch sein, wenn junge Menschen eine Zeit lang in einer geistlichen Gemeinschaft mit leben. Und es brauche mutige Seelsorger, "die junge Leute auf das Priestertum ansprechen".
Gerade in einer Zeit des Priestermangels müsse auf die Auswahl der Priesteramtskandidaten größter Wert gelegt werden, betonte Küng. Der Weg, die Anforderungen herabzusetzen, habe sich als Irrtum erwiesen. Priesteramtskandidaten müssten körperlich und seelisch gesund und belastbar sein. Der Bischof verwies auch auf Papst Johannes Paul II., der gefordert hatte, die Eignung der Kandidaten für das zölibatäre Leben schon bei der Aufnahme ins Seminar zu untersuchen. Deshalb brauche es gründliche Gespräche, wobei die Vorgeschichte und das Umfeld des Kandidaten ebenfalls beleuchtet werden müssten. "In manchen Fällen ist auch eine fachärztliche Durchuntersuchung zur Feststellung der körperlichen und seelischen Gesundheit nötig."
Das in Österreich vor fünf Jahren eingeführte Vorbereitungsjahr auf das Priesterseminar ("Propädeuticum"), das alle Kandidaten absolvieren müssen, habe sich bisher nach Meinung der österreichischen Bischöfe weitgehend bewährt, so Küng. Einige Verbesserungen halte er für notwendig, etwa mehr Kontinuität in der Pflege des geistlichen Lebens oder eine noch tiefer gehende Einführung in die Grundlagen des Glaubens.
Zölibat setzt "heterosexuelle Geneigtheit" voraus
Als wichtige Erkenntnis aus den problematischen Vorgängen (der Vergangenheit) in St. Pölten nannte Küng die Notwendigkeit, dass Regens und Subregens sowie der Spiritual im Seminar wohnen sollten. Wenn es die Zahl der Seminaristen erfordere, dürften diese außerhalb (des Seminars) kaum Verpflichtungen übernehmen. Auch disziplinäre Fragen wie die regelmäßige Teilnahme an den Gemeinschaftsaktivitäten oder Vorlesungen seien sehr wichtig. Darüber hinaus halte er vor allem die persönliche geistliche Begleitung der Kandidaten für unerlässlich, so Küng. Das gelte auch für den praxisorientierten pastoralen Einsatz unter der Führung eines erfahrenen Seelsorgers.
Auf das Thema Homosexualität angesprochen, meinte Küng, dass der Zölibat den Verzicht auf die Ehe bedeute und daher eine "heterosexuelle Geneigtheit" voraussetze. Die Kirche habe die Praxis, eine eindeutig homosexuelle Geneigtheit als Weihehindernis anzusehen. Aber natürlich seien auch homosexuell empfindende Personen wertvolle Menschen mit Fähigkeiten. Dennoch habe die Haltung der Kirche ihren guten Grund. Küng: "Ein Abgehen von dieser Praxis würde unter Umständen zu einer tief greifenden Unterminierung des Zölibats führen und andere schwere Gefährdungen mit sich bringen". Das Thema sei in der Vergangenheit auch mehrmals in der Bischofskonferenz angesprochen worden. (apa/red)
