Dienstag, 1. März 2005

Betrunkene Messerattacke auf Ehemann: 14 Jahre Haft für Niederösterreicherin

  • Angeklagte beteuerte: "Wollte ihn nicht töten!"
  • Bereits 1982 damaligen Mann erschossen

Weil sie ihren Ehemann im Oktober 2004 mit einem Küchenmesser lebensgefährlich verletzt hatte, wurde am Dienstag eine 53-jährige Niederösterreicherin am Landesgericht Korneuburg zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Frau verbüßte schon einmal eine Gefängnisstrafe - 1982 erschoss sie ihren damaligen Mann mit einem Gewehr. Sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger erbaten sich drei Tage Bedenkzeit - das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Elisabeth R. beteuerte bei der Verhandlung immer wieder, sie hätte ihren Mann nicht töten wollen, sondern lediglich den Wunsch gehabt, "dass er geht". Der kurz nach der Tat durchgeführte Alko-Test ergab einen Wert von 2,61 Promille Alkohol im Blut. Zudem litt die Frau unter Depressionen. R. gab an, von ihrem Mann Franz R. immer wieder geschlagen worden zu sein. Ein geladener Zeuge - der beste Freund des Mannes und ein gemeinsamer Bekannter des Ehepaares - versicherte jedoch dem Gericht, Franz R. habe seine Frau stets "liebevoll" behandelt.

Während Elisabeth R. auf zahlreiche Hämatome und blaue Flecken verwies, die ihr Franz R. zugefügt haben soll, berichtete der Zeuge - ein 67-jähriger Wiener mit Wohnsitz in Großenzersdorf -, dass die Angeklagte mehrmals in schwer angetrunkenem Zustand über die Stiegen des Wohnhauses gefallen sei. Getrunken habe sie nach eigenen Angaben, "um Ruhe zu finden und die Angst zu überwinden". Am Vormittag vor der Tat habe sie etwa eineinhalb Doppelliterflaschen Weißwein konsumiert. Anschließend habe sie Franz R. - der zu dem Zeitpunkt nicht mehr im gemeinsamen Haus wohnte - angerufen, um ihn zu ersuchen, sie in eine Klinik zu bringen.

Termin beim Scheidungsrichter war bereits vereinbart
Beim Aufeinandertreffen der Eheleute - ein Termin beim Scheidungsrichter war bereits vereinbart -, kam es laut Elisabeth R. zu verbalen Auseinandersetzungen, sie sei von ihrem Mann wiederum geschlagen worden. Als er dann das neu installierte Türschloss ausbauen wollte, habe sie ein Messer aus der Küche geholt und zugestochen. Laut einem Gutachten hat Franz R. nur auf Grund schneller Hilfeleistung überlebt. Er wurde notoperiert und verbrachte 14 Tage im Krankenhaus. Elisabeth R. sei trotz enormen Alkoholwerten zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen.

"Ich wollte ihn nur verletzen, nicht töten", so die Angeklagte. Der Richter hielt der Beschuldigten jedoch entgegen, dass sie unmittelbar nach dem Vorfall einen Gendarmeriebeamten gefragt hatte, ob er, der Ehemann, "eh hin sei". Der lebensgefährlich verletzte Franz R. hatte sich nach der Attacke - mit dem Messer im Rücken - auf die Straße geschleppt und per Handy die Rettung sowie seinen besten Freund verständigt.

Bereits 1982 damaligen Mann erschossen
Elisabeth. R. war insgesamt drei Mal verheiratet. Ihren zweiten Ehemann hatte sie 1982 im Zuge eines Streits mit einem Gewehr erschossen und verbüßte dafür eine achtjährige Freiheitsstrafe, aus der sie 1987 entlassen worden war. Die 53-Jährige hat sechs Semester Pharmazie studiert, arbeitete später in einer Apotheke und war in den vergangenen Jahren Hausfrau. In dieser Zeit traten auch Alkoholprobleme und Depressionen auf.(apa/red)

1.3.2005 16:14