"Feuerteufel" von Klagenfurt brach in U-Haft sein Schweigen: Vier Taten gestanden
- Insgesamt werden ihm 20 Brandstiftungen vorgeworfen
- Psychiater soll Motive des 38-Jährigen ergründen
Der vergangene Woche verhaftete mutmaßliche Serienbrandstifter von Klagenfurt hat sein anfängliches Schweigen gebrochen. Wie der leitende Staatsanwalt Horst Pleschiutschnig am Dienstag gegenüber der APA erklärte, hat er inzwischen vier Brandlegungen zugegeben.
Aus ermittlungstechnischen Gründen dürfe er keine Details bekannt geben, sagte Pleschiutschnig. Daher könne er auch nicht sagen, welche vier Brandlegungen von den Geständnissen des 38 Jahre alten Versicherungskaufmannes aus Ebenthal bei Klagenfurt betroffen sind. Insgesamt werden dem bisher Unbescholtenen 20 Fälle von Brandstiftung vorgeworfen, die er seit dem vergangenen Sommer in Klagenfurt und in zwei Fällen in Graz begangen haben soll.
Nach der Ausweitung des Geständnisses - vor der Polizei hatte der Mann außer einer Reihe von Kreditkartenbetrügereien nur zugegeben, ein Feuer gelegt zu haben - wird nun auch ein Brandsachverständiger angefordert. Außerdem, so Pleschiutschnig, soll auch ein Psychiater beigezogen werden. Dieser soll vor allem dazu beitragen, die Motive des 38-Jährigen zu ergründen.
Die Erhebungen von Justiz und Exekutive laufen weiterhin auf Hochtouren. Bis wann mit einer formellen Anklage gegen den Mann zu rechnen ist, das ist vorerst noch nicht abzusehen.
"Feuerteufel" seit Sommer 2004 akti
Seit Sommer 2004 hielt der Brandstifter die Bevölkerung in Atem, die Stadt hatte eine Ergreiferprämie von 15.000 Euro ausgesetzt. Begonnen hat die Serie am 5. Juni vergangenen Jahres, als in zwei Wohnhäusern Kellerabteile angezündet wurden. Danach gab es eine Pause bis 15. November, dafür brannte es dann gleich in vier Wohnanlagen.
Mitte Februar ging es mit den Brandlegungen weiter, fast jede Nacht musste die Feuerwehr ausrücken. Zuletzt hatte der Täter im LKH, im Landesschulrat und danach wieder in zwei Wohnanlagen Feuer gelegt. Vor über einer Woche gab es die vorläufig letzte Brandstiftung, diesmal im Keller einer Wohnanlage in der Nähe des Klagenfurter Bahnhofs. In diesem Haus hatte der nun Festgenommene knapp vor dem Feuer eine Bankomatkarte gestohlen.
Mutmaßlicher Brandstifter als Dieb verhaftet
Vergangene Woche wurde der 38-Jährige in seiner Wohnung in Ebenthal bei Klagenfurt festgenommen. Die Diebstahlsgruppe hatte ihn als mutmaßlichen Dieb und Betrüger ausgeforscht, der in mindestens zehn Fällen Kredit- bzw. Bankomatkarten bei Einschleichdiebstählen erbeutet hatte. Mit den Karten ging er "wahllos einkaufen", der Schaden beträgt mehr als 20.000 Euro. Beim Zusammentragen der Detailinformationen fiel den Beamten am Donnerstag auf, dass der Mann in der vergangenen Woche immer in der Nähe jener Orte gewesen war, wo es gebrannt hatte.
Probleme mit geschiedener Frau
Das Motiv des Täters liegt laut Polizei "in der Person des Mannes". Details wollte man nicht bekannt geben, es dürfte aber mit der geschiedenen Frau des Mannes, mit der er auch Kinder hat, zu tun haben. Zum Stadtteil Fischl, wo es besonders oft Feueralarm gab, hat er "persönliche Beziehungen", hieß es seitens der Kriminalisten.
Auffallend ist, dass der Verdächtige, der bisher unbescholten ist, in geordneten Verhältnissen lebt und keine finanziellen Schwierigkeiten hatte. Die von ihm zugegebenen Kreditkartenbetrügereien dürften auch nicht aus Geldnot geschehen sein, nach jedem Diebstahl ging er völlig wahllos einkaufen, so erstand er in einem Fall in einer Parfumerie zehn Flaschen des gleichen Herrenparfums. Die mit fremdem Geld getätigten Einkäufe hortete er in seiner Wohnung, das sichergestellte Diebsgut füllte einen ganzen Kombi. (apa/red)
