Mittwoch, 2. März 2005

Business mit Busen: FORMAT porträtiert den Wiener Akt-Meister Manfred Baumann

  • Regelmäßig Fotos für "Penthouse" und "Playboy"
  • Lokalaugenschein: Wie ihm der Durchbruch gelang

Silikon ist out. Der Trend lautet: Zurück zur Natur. Auch in der Aktfotografie. "Gefragt sind Natürlichkeit und üppigere Maße der Kurvengattung 90-58-90. Zumindest in Europa", plaudert Manfred Baumann aus dem Business-Abc eines Aktfotografen. Aber andere Länder, andere Sitten: "Die Amerikaner stehen nach wie vor auf den Pamela-Anderson-Typ, der jede nur mögliche Operation hinter sich hat."

Seit 15 Jahren ist der 36-jährige Wiener Manfred Peter Baumann gut im Geschäft mit den nackten Tatsachen. Mit Beharrlichkeit und Perfektion hat er es innerhalb der letzten sechs Jahre auch international zum gefragten Star der Szene geschafft.

Baumann fotografiert für "Penthouse" und "Playboy" sowie alle Magazine des Springer Verlages, seine Girls zieren die US-Magazine "Ultra for Men" und "Perfect 10". Sein Schwarzweiß-Aktband "Einfach Nackt" ist vergriffen, seine Ausstellung "Naked" zwischen Wien, München und New York on tour. 2003 gewann er den "Price of the best Europe Page 3' Photographers". Von Baumanns Qualität in dieser Kategorie kann man sich regelmäßig auch in der "Kronen Zeitung" überzeugen.

Vom Meinl zu den Models
Zum zehnten Geburtstag hat der Fotograf die erste Spiegelreflexkamera vom Großvater, einem Kriegsberichterstatter, bekommen. Doch erst im Alter von zwanzig Jahren hat er das Fotografieren wirklich perfektioniert. Dazwischen lag eine Lehre bei Julius Meinl als Einzelhandelskaufmann. "Ein Segen für mein Business", wie er heute meint, "in dem gekonntes Marketing zunehmend im Vordergrund steht."

Eine andere Generation hat am Markt mit der Erotik Einzug gehalten. Anders als etwa in der Ära eines Peter Baumann - der übrigens in keinster Weise mit seinem jungen Kollegen verwandt ist und neben seinen Shootings von Sonja Kirchberger vor allem durch derbe Sprüche und Alkoholexzesse von sich reden machte - zählt heute Seriosität. "Die Szene ist generell viel professioneller geworden. Hinter den Mädels stehen Agenturen und Verträge. Vielleicht bin ich auch untypisch, was die Branche betrifft", verweist Baumann dann darauf, dass er von den 600 Topmodels, mit denen er gearbeitet hat, "mit keiner was gehabt" hat. Zum Shooting kommt er prinzipiell mit Gattin Nelly und Hund. Das schaffe eine vertrautere Atmosphäre, in der sich die Mädchen wohl fühlen.

Weltweiter Vertrieb
Vor zehn Jahren hat er seine Frau kennen gelernt und gemeinsam mit ihr vor sechs Jahren eine Model-Agentur gegründet. "Nelly's" hat rund 200 Glamour- und Fashionmodels unter Vertrag und arbeitet mit der Miss Austria Cooperation zusammen. Baumann selbst ist zudem durch eine Agentur in New York und einen Agenten in Barcelona vertreten. Das Wiener Team hat drei Mitarbeiter, dazu einen Assistenten, Stylisten und Visagisten.

Von Auftragssummen à la 30.000 Euro pro Tag, wie sie etwa Kollegin Bettina Rheims gewohnt ist, kann Manfred Baumann dennoch nur träumen. Er produziert seine Shootings zu 75 Prozent auf eigene Kosten, dafür auch nach eigenen Ideen. In so ein Shooting investiert der Fotograf dann mindestens 4.000 Euro, allein 2.000 Euro gilt es für ein gutes Aktmodell zu berappen. Das garantiert Baumann wiederum uneingeschränkte Nutzungsrechte an den Fotos. "Insgesamt habe ich zurzeit rund 200 Redaktionen, die ich beliefere, und da muss man schauen, dass jeder glücklich ist. Im ersten Jahr gehen die Fotos zu den 1a-Magazinen, im zweiten Jahr zur B-Liga, dann ins Internet." Ein heißes Cover bringt rund 2.000 Euro, der "Playboy" zahlt seinen Foto-Stars für gute Strecken auch an die 10.000 Euro.

Deftige Briten
Die Grenze zwischen Akt und Pornografie verläuft dabei, je nach Absatzmarkt, fließend. Während der britische Markt sehr Heftiges verlangt, ist in den USA schon der "Playboy" umstritten. "Ästhetik wird in jedem Fall groß geschrieben", relativiert Baumann das Klischee vom Schmuddeljob. Er arbeitet nur mit professionellen Models, "damit es später keine Probleme gibt, wenn die Bilder auftauchen und die Akteurin zwischenzeitlich Bankbeamtin oder Lehrerin geworden ist". In Österreich sei das Angebot allerdings dürftig: "Wir haben keine einzige Akt-Agentur, nur Go-go-Vermittlungen, und da schauen die Mädchen zu ordinär aus. Vielleicht ist auch hierzulande zu wenig Körperbewusstsein vorhanden." Besser sei da schon die Qualität am italienischen oder französischen Markt, am besten seien die Tschechen: "Die Mädchen sind hübsch, professionell geschult und beherrschen die Posen."

Tipp: Aktkurse im Sommer
Wer sich selber an der Aktfotografie versuchen will: Ab 11. August veranstaltet Baumann einen Akt-Workshop auf einer Alm. Kostenpunkt für das viertägige Arbeiten mit internationalen Models: 780 Euro. (FORMAT Nr. 8/2005)

2.3.2005 09:48