Mittwoch, 23. Februar 2005

Abus tödliche Rache

  • Warum ein dreijähriger Elefantenbulle im Schönbrunner Zoo zum Killer wurde

Unter Druck: Expfleger klagen an: „Unfall war sehr wohl vorhersehbar.“ Tiergarten-Chef Pechlaner: „Es gab kein Anzeichen für die Attacke.“
Todesdrama: Vom Abu-Ziehvater zum Killer-Ziel: Das Drama des Paradepflegers Gerd Kohl. Und: Sein letztes mysteriöses SMS.

Elefanten sind „besondere Tiere“. Extrem intelligent, äußerst gutmütig – und sie verfügen sogar über ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Wenn ein Mitglied der Herde in Not gerät oder krank ist, dann übernehmen die anderen seine Pflege und Versorgung. Und Dickhäuter können sogar trauern.

Elefanten sind freiheitsliebend. In ihrem natürlichen Zuhause, in den Steppen und Wäldern Afrikas und Asiens, legen sie täglich bis zu hundert Kilometer zurück.

Ein „unnatürliches“ Leben. Abu aber hat niemals so leben dürfen, wie es eigentlich seiner Natur entsprechen würde. Und wahrscheinlich war es ihm egal, dass er schon bei seiner Geburt als so etwas wie eine „Berühmtheit“ galt. Schließlich ist er der erste Elefant, der in einem europäischen Zoo durch künstliche Besamung gezeugt wurde.

Am 25. April 2001 erblickte er also im Tiergarten Schönbrunn das Licht der Welt, und alsbald schon lockte er Besuchermassen an: Das tägliche Bad des Elefantenjungen wurde zur fixen Attraktion des Tiergartens.

Ob er glücklich war oder nicht, ob er die Weiten seiner Heimat, die er niemals kennen lernen durfte, vermisst hat, weiß niemand.

„Psychische Defekte“. Doch eines ist gewiss: Ein Dasein in Gefangenschaft ist für Elefanten grundsätzlich psychisch nur schwer zu verkraften. Viele der eingesperrten Tiere zeigen massive Verhaltensauffälligkeiten: treten stundenlang auf einer Stelle, pendeln monoton mit Kopf und Rüssel, wetzen sich an Gitterstäben und Bäumen ganze Hautteile weg, werden aggressiv.
Und greifen nicht selten ihre Pfleger an.

Fakt ist: Seit 1980 wurden in Zoos und Safariparks in Europa und Nordamerika von Elefanten 38 Menschen getötet und mehr als 50 Personen zum Teil schwer verletzt.

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PLUS: Anklage: „Unfall war sehr wohl vorhersehbar“ - Exzoopfleger: „Es gab schon 2004 Abu-Attacken“
PLUS: Verteidigung: „Keine Anzeichen für diese Attacke“ - Zoo-Chef Pechlaner: „Abu hat immer wieder gerempelt“

23.2.2005 16:30