Flexibilisierung der Arbeitszeiten: Sorger will Sozialpartnerschaft nicht verlassen
- IV-Präsident wirbt für Modell der Wirtschaftskammer
- Bei Überstunden-Verlusten Relation beachten
Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, hat am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" für das gemeinsam mit der Wirtschaftskammer (WKÖ) ausgearbeitete Modell für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten geworben. Die Sozialpartnerschaft wolle man trotz des Alleingangs der Wirtschaft nicht verlassen, sagte Sorger. Kritik an diesen Plänen gab es von der SPÖ und den Grünen.
Bei einem erneuten Arbeitsmarktgipfel am Montag wird der Entwurf der Arbeitgeber Wirtschaftsminister Bartenstein vorgelegt. Die Kernpunkte fasste Sorger in der "Formel 10-12-60-2" zusammen: Die tägliche Normalarbeitszeit soll demnach von acht auf zehn Stunden angehoben, die tägliche Höchstarbeitszeit mit zwölf Stunden und die wöchentlichen Höchstarbeitszeit mit 60 Stunden verankert werden. Der Durchrechnungszeitraum soll nach IV-Vorstellungen bei zwei Jahren liegen. Die WKÖ gebe sich aber auch mit einem Jahr zufrieden, fügte Sorger hinzu.
Er gestand zwar ein, dass nach diesem Entwurf ein großer Teil der bisher bezahlten Überstunden künftig wegfallen soll, man dürfe dabei aber nicht das Verhältnis zur gesamten Lohnsumme aus dem Auge verlieren, warb er um Verständnis. Demnach würden alle Überstunden gemeinsam nur 0,9 Prozent der gesamten Lohnsumme ausmachen. Von "Lohnraub" könne deshalb nicht gesprochen werden. Den Betrag von einer Milliarde Euro in diesem Zusammenhang bestritt Sorger allerdings nicht. Diese Schritte sind seiner Ansicht nach ein "Rezepte gegen die Globalisierung". Denn für ihn stehe fest, dass die 35-Stunden-Woche gescheitert sei.
Kritik von der Opposition
SPÖ-Chef Gusenbauer ortete indes bei IV und WKÖ "den Wunsch, die Einkommen der Arbeitnehmer zu kürzen". Nicht glaubhaft ist für Gusenbauer auch das Argument der Arbeitgeber, mit der Flexibilisierung würden Wachstumseffekte und Arbeitsplätze geschaffen.
Der Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Volker Plass, kritisierte, WK-Präsident Leitl habe mit seinen Forderungen ein weiteres Mal bewiesen, dass er auf der Seite der Industrie und nicht auf jener der Kleinunternehmen stehe.(apa/red)
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