"Es ist ein ungünstiger Zeitpunkt" Wifo-Chef bremst bei Arbeitszeit-Flexibilisierung
- Die vollen Effekte der Flexibilisierung seien nicht zu erwarten
Der neue Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, hält den Zeitpunkt für die Debatte über die Flexibilisierung der Arbeitszeiten für nicht ideal. "Es ist ein ungünstiger Zeitpunkt", sagte er in einer österreichischen Tageszeitung. Aber aus Sicht der Industriellenvereinigung sei es verständlich, "dass man einen langen Weg irgendwann beginnen muss".
Die Arbeitgeberseite wird am Montag bei einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Bartenstein ihren Entwurf zur Flexibilisierung vorlegen. Die Flexibilisierung biete eine Chance zur billigeren Produktion, was wegen der großen Herausforderung durch Konkurrenten in den Erweiterungsländern und in Asien wichtig sei, so Aiginger. "Aber Flexibilisierung wirkt besonders gut in einer Situation, in der Vollauslastung besteht. Die haben wir derzeit nicht, weshalb die vollen Effekte einer Flexibilisierung nicht zu erwarten sind."
Könne also die Rechnung der Industriellenvereinigung aufgehen, dass die Lohnsumme gleich bleibt, weil neue Jobs entstehen? Aiginger: "Die kann in einem guten Jahr aufgehen, aber das ist kein Naturgesetz. Es kann auch umgekehrt sein, dass es bei der Lohnsenkung bleibt." Man rechne, dass eine einprozentige Lohnsenkung vielleicht zu 0,1 Prozent mehr Wachstum auf fünf Jahre führe. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sei eine derartige Strategie "nicht wirklich zielführend".
Zur Ebene der Flexibilisierung meinte er: Der Mittelweg über die Kollektivverträge sei "gut". "Aber die sollten so flexibel sein, um eine ergänzende betriebliche Ebene zu ermöglichen."(apa/red)
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