Freitag, 25. Februar 2005

Postbus-Teilverkauf zu zwei Drittel abge- schlossen: Finale in den nächsten Wochen

  • Management weist Busunternehmer-Vorwürfe zurück

Die Teilprivatisierung der ÖBB Postbus GmbH geht in die Endphase. 20 von 31 Paketen seien bereits verkauft worden, erklärte die bisherige Postbus-Chefin Wilhemine Goldmann, seit kurzem auch im Vorstand der ÖBB-Personenverkehrs AG, am Donnerstagabend vor Journalisten. Die letzten Linien sollen in den nächsten Wochen verkauft werden. Dass, wie von der Gewerkschaft kritisiert, ein Paket für nur einen Euro den Besitzer wechseln könnte, schließt die Postbus AG aus. Die Verkaufserlöse müssten in jedem Fall dem Verkehrswert entsprechen, betonte Postbus-Verhandlungsführer Paul Frey.

Dass - wie einige private Interessenten und die "Kronen Zeitung" der Unternehmensführung vorwerfen - die Privatisierung stocke und das Management gar nicht verkaufen wolle, wies Goldmann dezidiert zurück: "Es ist uns Ernst mit der Privatisierung und auch ernst damit, die Privatisierung zu einem Abschluss zu bringen." Wenn es zu Verzögerungen komme, liege es am Käufer. Außer in Ostösterreich liefen die Verhandlungen "sehr konstruktiv". Die Teilprivatisierung habe das Unternehmen insbesondere im Hinblick auf die Integration und Sanierung des Bahnbus weitgehend "lahmgelegt". "Wir sind daher sicher froh, wenn wir das hinter uns haben", so Goldmann.

Zur Kritik der Privaten, wonach verkaufte Linien teilweise unrentabel und Busse zum Teil überaltet seien, verwies Frey auf den Privatisierungsauftrag der Regierung. Demnach sollte aus Wettbewerbsgründen nach der Übernahme des Postbusses durch die ÖBB zwar ein maßgeblicher Teil des neuen gemeinsamen Busunternehmens abgegeben werden, allerdings nicht zum Schaden des Betriebes. Daher seien repräsentative Pakete geschnürt worden, die eben wie das Unternehmen zum Teil auch noch nicht sanierte Strecken beinhaltet hätten. Im offenen Bieterverfahren stehe es den Interessenten frei, die Verkaufsobjekte zu bewerten.

Für Paket in Judenburg nur einen Euro geboten
Für ein stärker defizitäres Paket in Judenburg hat der Bestbieter, wie aus Unternehmenskreisen verlautet, auch tatsächlich nur einen Euro geboten, in Steyr waren es 1.000 Euro. Zu derartigen Preisen werde aber sicher kein Paket abgeben. Um nicht dem Unternehmen zu schaden, werde man ein Paket sicher nicht um einen Euro verkaufen, wenn ein reiner Assetverkauf mehr bringen würde, betonte Frey.

Die Einnahmen aus der Teilprivatisierung werden allerdings - so viel steht schon seit längerem fest - unter den ursprünglich von den ÖBB vorhergesagten 40 Mio. Euro liegen. Das wäre ein Drittel jener rund 120 Mio. Euro gewesen, die die ÖBB 2003 für den kompletten Postbus bezahlt hatten. Laut Postbus-Manager Frey ist die Differenz allerdings erklärbar - zum einen daraus, dass eben nicht wie im ursprünglichen Regierungsbeschluss verankert ein Drittel privatisiert worden sei, sondern etwa zehn Prozent weniger Linien, die schon bisher an Private abvermietet worden seien - zum anderen daraus, weil die nicht betriebsnotwendigen Immobilien des Postbus im Wert von 68 Mio. Euro nicht anteilsmäßig mit privatisiert worden seien.

Insgesamt werden durch den Teilverkauf nun rund 20 Prozent der Postbus- und Bahnbuslinien privatisiert. Die zum überwiegenden Teil pragmatisierten Mitarbeiter - betroffen sind 407 Postbus- und Bahnbuslenker - werden nach einer Vereinbarung zwischen Regierung und Gewerkschaft von den Privaten zur Gänze übernommen werden. Von weiteren Streiks hat die Gewerkschaft deshalb mittlerweile Abstand genommen. (apa/red)

25.2.2005 14:00