Wieder Riesenverlust in HVB: 6 Mrd. Euro Abgang in drei Jahren - 2,3 davon heuer
- Das Unternehmen streicht 2.400 Jobs in Deutschland
- HVB-Tochter BA-CA mit satter Gewinnsteigerung für '04
Nach einem erneuten Mega-Verlust im vergangenen Jahr streicht die HypoVereinsbank (HVB) nochmals bis zu 2.400 Jobs. Mindestens 280 Mio. Euro sollen so ab 2007 eingespart werden, betroffen sind ausschließlich Stellen in Deutschland. 2004 schrieb die Münchener Großbank vor allem wegen hoher Wertberichtigungen bei faulen Immobilienkrediten unter dem Strich einen Verlust von 2,3 Mrd. Euro. Für 2005 hat die Bank-Austria-Mutter am Donnerstag rund eine Milliarde Euro Gewinn in Aussicht gestellt.
Fast 6 Mrd. Euro hat die HypoVereinsbank in den vergangenen drei Jahren in den Sand gesetzt. Bankchef Dieter Rampl hofft, dass die Immobilienaltlasten mit dem Befreiungsschlag nun endgültig beseitigt sind: "Nach menschlichem Ermessen ja." Man habe mit der erneuten Wertberichtigung von 2,5 Mrd. Euro auf die Kredite "einen Schlussstrich unter das leidige Thema gezogen. Dass die HVB auf Grund der Sonderwertberichtigung erneut einen hohen Verlust ausweise und keine Dividende bezahlen werde, "bedauere ich sehr", sagte Rampl heute in München.
Während die Aktionäre der HVB ein weiteres Mal leer ausgehen, zahlt die im Konzern für Österreich und Osteuropa zuständige Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) nach einem satten Gewinnplus 2004 eine deutlich höhere Dividende. Ausgeschüttet werden 1,50 Euro je Aktie, um knapp die Hälfte mehr als für 2003. In Summe kassiert die HVB von ihrer börsenotierten Wiener Tochter, an der sie 77,5 Prozent hält, gut 170 Mio. Euro. Die BA-CA hat 2004 ihren Jahresüberschuss um 36,1 Prozent auf 602 Mio. Euro gesteigert, der Gewinnschub kam dabei einmal mehr aus Osteuropa.
Ein Verkauf weiterer BA-CA-Anteile kommt für Rampl nicht in Frage: "Da gibt es überhaupt keine Überlegungen, Aktien in den Markt zu geben oder den Anteil zu reduzieren." Er wies damit jüngste Spekulationen zurück, wonach die HVB nach dem erneuten Milliardenverlust weitere Anteile ihrer "Cash-Cow" abgeben könnte, um die eigene Kapitaldecke zu festigen.
Mit dem erneuten Mega-Verlust im abgelaufenen Jahr hat sich die Ertragskrise der HVB nahtlos fortgesetzt. Um den Konzern fit zu trimmen und wieder in die Gewinnzone zu führen, sollen im Rahmen eines Sparpakets nun nochmals 2.200 bis 2.400 Stellen in Deutschland gekappt werden - "zum Großteil" sozialverträglich über Fluktuation. "Aber ich kann keine betriebsbedingten Kündigungen ausschließen", wie Rampl heute erklärte.
Stellenabbau geht weiter
Derzeit hat die HVB 26.300 Beschäftigte in Deutschland, fast jeder zehnte Job wird künftig verloren gehen. Weltweit hatte die Bank in den vergangenen Jahren bereits 11.000 Stellen gestrichen. Mit dem nun geplanten Personalabbau will das Institut sein ertragsschwaches Deutschland-Geschäft auf die Erfolgsspur bringen. Im vierten Quartal 2004 verdoppelte sich der Betriebsverlust des Inlandsgeschäfts auf 49 Mio. Euro. Heuer soll alles besser werden. "Wir erwarten vom ersten Quartal an in allen drei Ressorts (des Geschäftsfelds Deutschland) schwarze Zahlen. Und damit natürlich in jedem Quartal 2005", so Finanzvorstand Wolfgang Sprißler.
Operativ machte die HVB Group 2004 Fortschritte. Das Betriebsergebnis stieg auf vergleichbarer Basis um 55 Prozent auf 1,389 Mrd. Euro. Damit hätte es Deutschlands zweitgrößte Bank fast noch in ihren ursprünglichen Zielkorridor von 1,4 bis 1,7 Mrd. Euro geschafft. Nach einem schwachen ersten Halbjahr hatte die HVB angekündigt, dieses Ziel wohl nicht zu erreichen, und mit einer Gewinnwarnung überrascht.
Im vierten Quartal profitierte die Bank aber wie auch die Konkurrenten von einer besseren Branchenlage. Das Betriebsergebnis im Quartal lag bei 491 Mio. Euro, das war der höchste Wert im gesamten Jahr. Den Provisionsüberschuss steigerte die Bank im Vergleich zum Vorquartal von 691 auf 761 Mio. Euro. Auch das Handelsergebnis verbesserte sich.
Unter dem Strich sollte die Bank 2005 ihre Kapitalkosten von 8 bis 9 Prozent verdienen, kündigte Sprißler an. Gemessen am jetzigen Eigenkapital würde dies einem Nettogewinn zwischen 920 Millionen und gut einer Milliarde Euro entsprechen. Beim Provisionsüberschuss sieht die HypoVereinsbank im laufenden Jahr weiteres Potenzial für Verbesserungen. Beim Zinsüberschuss - dem größten Ertragsposten - werden keine signifikanten Veränderungen erwartet.
Zuletzt waren Spekulationen aufgeflammt, die italienische Großbank Unicredito könnte an einem Zusammenschluss mit der HVB interessiert sein. Rampl sagte heute dazu, es gebe keine Verhandlungen über einen Zusammenschluss - weder in Italien noch sonst irgendwo. Nicht geplant ist nach Rampls Worten auch eine weitere Kapitalerhöhung, über die im Markt erst kürzlich spekuliert wurde.
Mit dem angekündigten Sparprogramm scheint Konzernchef Rampl die Börsianer überzeugt zu haben. Die HVB-Aktien lagen im heutigen Handelsverlauf mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 17,59 Euro an der Spitze des Deutschen Aktienindex (DAX). Seit Mitte 2000 war der Kurs der Aktie von Höchstständen um 57 Euro auf bis zu 5,48 Euro Anfang 2003 abgerutscht. (apa)

