Mittwoch, 23. Februar 2005

Chip-Werk in München wird geschlossen: Teil der Infineon-Produktion nach Villach

  • Größerer Teil des Werks wandert nach Regensburg

Der Münchner Elektronikkonzern Infineon schließt sein Chip-Werk in München. Wie der Konzern gegenüber der APA bestätigte, wird die Produktion bis 2007 eingestellt. Von der Schließung sind in Deutschland rund 800 Mitarbeiter betroffen. Vorgesehen ist, die Produktion aus München Perlach zu einem kleineren teil nach Villach zu verlagern. Der größere Teil wandert nach Regensburg.

Hintergrund der Einstellung der Produktion im Infineon-Werk in München-Perlach ist vor allem, dass die Chips insbesondere für Handys, die dort produziert werden, nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen. "Was jetzt in München produziert wird, wird es zum Teil in zwei Jahren gar nicht mehr geben", sagte Konzernsprecher Günter Gaugler am Mittwoch weiter zur APA. In den kommenden zwei Jahren soll die Produktion sukzessive heruntergefahren werden, erklärte Gaugler. Der "Rest" wird dann an die Standorte Villach und Regensburg verlagert. Gaugler: "Für Villach ist das natürlich ein gutes Zeichen."

Der Standort in Kärnten sei nicht nur wesentlich moderner ausgestattet, sondern ebenso wie Regensburg auch weit größer als das Werk in Perlach. Es gehe jedenfalls nicht darum, Fertigungen in Billiglohnländer zu verlagern, unterstrich Gaugler. Der größere Teil der Fertigung wird künftig in Regensburg hergestellt werden, ob es in Villach durch die Verlagerung zu einer Ausweitung des Mitarbeiterstandes kommen wird, steht derzeit noch nicht fest.

Das Werk in München-Perlach wurde vor rund 20 Jahren als Forschungsstandort gegründet. Derzeit würden dort hauptsächlich Halbleiterbauelemente in Spezialtechnologien hergestellt, sagte Gaugler. Diese Bauelemente würden nun zunehmend in so genannte Feinstruktur-CMOS-Chips integriert. Diese können in Perlach aber nicht hergestellt werden. Dort wird hauptsächlich auf 150-mm-Siliziumscheiben gefertigt, was für viele Technologien nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht. Der Kostennachteil gegenüber den 200-mm-Wafern sei schon jetzt erheblich und nehme ständig weiter zu.

Infineon erzielte im Geschäftsjahr 2004 mit weltweit rund 35.600 Mitarbeitern einen Umsatz von 7,19 Mrd. Euro. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart hatte im Jänner bei der Hauptversammlung aber bereits angekündigt, dass 2005 "ein schwieriges Jahr für die Chipindustrie" werde. Er rechne damit, dass sich das Marktwachstum "erheblich verlangsamen, vielleicht sogar zum Stillstand kommen" werde.

Die abflauende Nachfrage sorgte bereits im Startquartal 2005 (Oktober bis Dezember) für Einbußen: Der Umsatz brach um 9 Prozent auf 1,82 Mrd. Euro ein. Der Gewinn verbesserte sich nur wegen hoher Einmaleffekte von 44 auf 142 Mio. Euro. Ohne die Sondereffekte lieferten alle Sparten schlechtere Ergebnisse ab. Der Konzernchef will Infineon aber auch im Jahr 2005 in der Gewinnzone halten, die erst im Vorjahr erreicht worden war. Aus Spargründen wurde bereits vor einem Monat angekündigt, dass drei Standorte im verlustreichen Glasfasergeschäft geschlossen werden. Betroffen sind davon ein Werk in Berlin, der Konzernsitz in München und der US-Standort Longmont.

(apa/red)

23.2.2005 16:16