Dienstag, 22. Februar 2005

Europaweit damit Nummer zwei: Jeder dritte Unternehmer in Österreich weiblich

  • Schlusslicht ist Irland mit nur 16 Prozent Frauen
  • Meisten Unternehmerinnen im Bekleidungsgewerbe

Fast jeder dritte Unternehmer in Österreich ist eine Frau. Von den rund 379.000 Mitgliedern der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sind etwa 112.000 Unternehmerinnen. Damit liegt die Frauenquote bei Unternehmern mit rund 30 Prozent über dem EU- und dem OECD-Schnitt. Dies gaben Wirtschaftskammer-Präsident Leitl und Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich am Dienstag bekannt.

Laut Eurostat (Frauenanteil an den Selbstständigen inkl. Landwirtschaft in Europa 2002) betrug der Frauenanteil an den Selbstständigen in Österreich 34,1 Prozent und hält damit ex aequo mit der Schweiz in Europa den zweiten Platz nach Portugal mit 40,2 Prozent. Nach Österreich folgen Finnland, die Niederlande, Belgien und Deutschland. Der EU-15-Schnitt betrug laut Eurostat 27,5 Prozent. Schlusslicht bei der Frauenselbstständigkeit ist Irland mit 16,0 Prozent.

Der Anteil der Frauen an den Unternehmensgründungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Betrug die Relation Frauen- zu Männer-Gründungen 1993 noch 27 zu 73 Prozent, so verschob sich dieser Wert 2003 auf 37 zu 63. Als Grund für den Weg in die Selbstständigkeit wird von 65 Prozent der Frauen die Möglichkeit selbstständig arbeiten zu können genannt. 51 Prozent wollen "eigene Ideen umsetzen", für 39 Prozent war die "flexible Zeiteinteilung" ausschlaggebend. 35 Prozent nennen "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" als Grund. Nur für 7 Prozent war die Unternehmensgründung ein Weg aus der (drohenden) Arbeitslosigkeit.

Die meisten Unternehmerinnen gibt im Bekleidungsgewerbe mit einem Anteil von 77,9 Prozent, gefolgt von den Friseuren und dem Bereich Kosmetik und Fußpflege. Fast drei Viertel der Unternehmerinnen in Österreich sind Mütter. Knapp die Hälfte der weiblichen Selbstständigen fühlen sich durch die Doppelbelastung von Familie und Job beeinträchtigt. Der Wirtschaftsbund wiederholt seine Forderung nach flexiblen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie die Möglichkeit, individuelle Betreuungsleistungen steuerlich geltend zu machen.

Fast drei VIertel der Unternehmerinnen sind Mütter
Fast drei Viertel (71%) der Unternehmerinnen in Österreich sind Mütter (davon 25 Prozent allein erziehend) von denen wiederum 77 Prozent die Kinderbetreuung neben ihrer selbstständigen Tätigkeit selbst übernehmen. Dies ist ein weiteres interessantes Detail einer KMU-Forschung Austria-Studie, welche heute, Dienstag, bei einem Pressegespräch des Wirtschaftsbundes mit Präsident Leitl und der Vorsitzenden von Frau in der Wirtschaft Präsidentin Sonja Zwazl (Wirtschaftskammer NÖ) präsentiert wurde. Diese Doppelbelastung wird laut der Studienumfrage von knapp der Hälfte der Unternehmerinnen als "stark-" beziehungsweise "sehr stark beeinträchtigend" empfunden. Zwazl fordert daher Entlastungsmaßnahmen für diese Frauen. (apa)

22.2.2005 12:45