Dienstag, 22. Februar 2005

Wieder deutscher Arbeitslosenrekord: Im Februar waren 5,2 Millionen ohne Job

  • Anstieg um 160 000 bis 170 000 im Vergleich zu Jänner
  • Deutschland mit 3,7% zum dritten Mal Maastricht-Sünder

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten im Februar auf einen neuen Nachkriegsrekord gestiegen. Demnach stieg die Zahl der Erwerbslosen um 160 000 bis 170 000 auf rund 5,2 Millionen Jobsuchende. Dies wären rund 660 000 mehr als vor einem Jahr, berichten Analysten deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Einer der Analysten schloss angesichts des harten Winterwetters sogar einen Anstieg auf bis zu 5,3 Millionen nicht aus.

Uneinig sind sich die Experten über den Anteil der erstmals seit dem Start der Hartz-IV-Reform registrierten erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger. Ihre Schätzungen schwanken dabei zwischen 40 000 und 80 000 Betroffene. Mit in Kraft treten der Arbeitsmarkt-Reform werden auch bisherige Sozialhilfeempfänger als arbeitslos registriert, sofern sie dazu in der Lage sind, einige Stunden am Tag zu arbeiten.

Zusätzlich belastet wird der Arbeitsmarkt im Februar nach Einschätzung der Fachleute durch den harten Winter. Dieser hat die Zahl der Arbeitslosen nach Schätzungen der Analysten zwischen 80 000 und 120 000 ansteigen lassen. Sie dürften damit ähnlich stark gestiegen sein wie im "Eiswinter" 1996, als die Arbeitslosigkeit im Februar um 111 000 zugenommen hatte. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre war die Februar-Arbeitslosigkeit allerdings nur um 25 000 gewachsen.

Erst im Jänner Rekord
Im Jänner war die Zahl der Arbeitslosen mit 5,037 Millionen erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland über die Fünf-Millionen-Marke gestiegen. Ursache für den ungewöhnlichen Anstieg von 573 000 waren die Auswirkungen der Hartz-IV-Reform. Ohne die 230 000 erstmals in der Arbeitslosenstatistik erfassten Sozialhilfeempfänger hätte die Zahl der Erwerbslosen im Jänner bei rund 4,8 Millionen Jobsuchenden gelegen.

Defizit mit 3,7% auch 2004 wieder über Maastricht-Grenze
Das deutsche Staatsdefizit ist 2004 geringer ausgefallen als zunächst erwartet, aber erneut klar über die erlaubte Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag lag das Defizit der öffentlichen Hand im vergangenen Jahr bei 3,7 Prozent. Mitte Jänner waren die Statistiker noch von 3,9 Prozent ausgegangen.
(apa)

22.2.2005 12:19