Viele Fragen noch ungeklärt: USA werfen dem Iran Betrug bei Atomprogramm vor
- Überweisung des Falls an UN-Sicherheitsrat gefordert
- IAEO-Chef Baradei: Teheran muss Zweifel ausräumen
Nach dem über zwei Jahre laufenden Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) zum iranischen Atomprogramm bleibt laut US-Botschafterin Jackie Sanders eine "alarmierende Reihe von Fragen" offen. Der Iran verweigere den IAEO-Kontrolleuren nach wie vor "die Transparenz und Zusammenarbeit", die diese benötigten, sagte Sanders vor dem Gouverneursrat der IAEO in Wien.
Sie warf der Regierung in Teheran vor, die Richtlinien des Atomwaffensperrvertrags auf "zynische" Weise zu manipulieren, um ihre "Jagd nach Atomwaffen" fortsetzen zu können. Nach Überzeugung der USA solle die IAEO den UN-Sicherheitsrat anrufen, der dem Iran mit Sanktionen drohen könnte.
Auch die Europäische Union kritisierte den Iran. In deutlicher Sprache bemängelten Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass Teheran durch verschiedene Aktivitäten gegen ein im November in Paris geschlossenes Abkommen verstoßen habe.
IAEO-Vizedirektor Pierre Goldschmidt hatte zuvor berichtet, dass der Iran eine zweite Inspektion der Militäranlage Parchin verweigert habe, in der nach US-Angaben möglicherweise Atomwaffentests simuliert werden. Laut Goldschmidt ist das Land jedoch zu einer neuerlichen Inspektion durch die IAEO-Kontrolleure nicht verpflichtet. In dem Bericht hieß es weiter, der Iran habe seine Uran-Anreicherung länger als geplant fortgesetzt, sie inzwischen aber beendet.
US-Diplomatin Sanders sieht in dem Bericht einen Beweis für die Hinhaltetaktik der iranischen Führung. Sie forderte namens der USA IAEO-Chef Mohamed ElBaradei auf, dem Gouverneursrat vor seinem für Juni vorgesehenen nächsten Treffen Bericht zu erstatten. Baradei - dessen Wiederwahl die USA seit Monaten verhindern wollen - sagte, es liege nun beim Iran, Zweifel über sein Atomprogramm zu zerstreuen. (apa)
