Sonntag, 27. Februar 2005

Nach Anschlag in Tel Aviv: Sharon droht
Abbas mit Abbruch des Friedensprozesses

  • Von Palästinensern Maßnahmen gegen Terror gefordert
  • Israel wirft Syrien vor, am Attentat beteiligt zu sein

Der Friedensprozess im Nahen Osten ist seit dem Selbstmordanschlag mit vier Toten in Tel Aviv ins Stocken geraten. Während Israel mit dem Abbruch der Friedensbemühungen droht, kündigten Extremisten neue Anschläge an. Zuvor hatte Israel die Übergabe von mehreren Städten im Westjordanland an die Palästinenser ausgesetzt. Israel wirft zudem Syrien vor, am Attentat beteiligt zu sein.

"Wenn die Palästinenser keine Maßnahmen gegen den Terror ergreifen, werden wir unsere Bemühungen einstellen", sagte Ministerpräsident Sharon am Sonntag. Palästinenserpräsident Abbas müsse gegen den "Islamischen Jihad" vorgehen. Diese Extremisten-Gruppe hatte sich zu dem Selbstmordanschlag bekannt. Andernfalls werde Israel seine Militäreinsätze zum Schutz seiner Bürger verstärken, so Sharon. Die mit den Palästinensern vereinbarte Übergabe der Sicherheitskompetenzen für mehrere Städte im Westjordanland wurde vorerst ausgesetzt.

Die israelische Regierung sprach außerdem von Beweisen, wonach Syrien direkt mit diesem Anschlag in Verbindung stehe. Sie drohte Damaskus mit Militärschlägen. Dem palästinensischen Präsidenten Abbas übermittelte Israel indes eine Fahndungsliste. Bei den gesuchten Palästinensern handle es sich überwiegend um Mitglieder des "Islamischen Jihad". Israel schließt auch eine Wiederaufnahme der "gezielten Tötungen" von Jihad-Mitgliedern nicht aus. Ein hochrangiger Anführer der Gruppe drohte Israel indes mit neuen Anschlägen.

Abbas hatte den Anschlag als "Sabotage" des Friedensprozesses verurteilt. Er äußerte zudem den Verdacht, hinter dem Attentat stehe eine "dritte Partei". Er nannte die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah, die zahlreiche militante Palästinenser im Westjordanland finanzieren soll, aber nicht beim Namen. Ein Hisbollah-Sprecher in Beirut wies jegliche Beteiligung an dem Anschlag zurück. Auch die syrische Regierung versicherte, Damaskus habe mit dem Attentat nichts zu tun. Das Attentat war das erste nach der Anfang Februar in Sharm el-Sheikh vereinbarten Waffenruhe.(apa/red)

27.2.2005 14:14