Samstag, 26. Februar 2005

Nach Terror-Anschlag von Tel Aviv: Israel setzt Übergabe von Palästina-Städten aus

  • Jihad-Zelle bekennt sich zu Anschlag vor Nachtclub
  • Führung der Organisation dementiert Bekenntnis

Israel setzt als Reaktion auf den Selbstmordanschlag in Tel Aviv die Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit mehrerer Städte im Westjordanland an die Palästinenser aus, berichete der israelische Armeerundfunk am Samstag. Die Übergabe war bereits mit der palästinensischen Autonomiebehöre vereinbart worden. Bei dem Anschlag waren vier Israelis und der Attentäter getötet worden.

Eine Zelle der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Jihad hat sich zu dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv bekannt. Der Anschlag sei als Antwort auf Tötungen und Häuserzerstörungen durch Israel ausgeführt worden, sagte ein Anführer der Organisation, Abdullah Shibaya aus Tulkarem im Westjordanland, in einem am Samstag veröffentlichten Video. Schibaya warf zudem der palästinensischen Autonomiebehörde vor, mit Israel und den USA zu "kollaborieren".

Die Führung der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Jihad im Gaza-Streifen dementierte jedoch das Bekenntnis ihrer Zelle im Westjordanland. Sie wisse nichts davon und halte sich weiter an den Gewaltverzicht. Dagegen sagte ein Vertreter der Organisation in der libanesischen Hauptstadt Beirut: "Wir bestätigen, dass wir die Operation ausgeführt haben."

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas sprach von der Tat einer "dritten Partei" im Konflikt mit Israel. In palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, die Ermittlungen ließen auf eine Beteiligung der libanesischen Hisbollah-Miliz schließen. Ein Sprecher der radikalen Al-Aksa-Brigaden sagte, die Hisbollah habe angefragt, ob sich die Al-Aksa-Brigaden anstelle der Hisbollah zu dem Anschlag bekennen könnten. Die Al-Aksa habe aber abgelehnt. Die Hisbollah bestritt jedoch eine Verwicklung in den Anschlag und bezeichnete die Anschuldigung als Provokation Israels.

Der Attentäter hatte sich am Freitagabend vor einer Diskothek in die Luft gesprengt und vier Menschen in den Tod gerissen. Mindestens 53 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Palästinenserpräsident Abbas hatte den Anschlag als "Sabotage" des Friedensprozesses verurteilt. (apa/red)

26.2.2005 22:47