Anschlag am Strand von Tel Aviv: Tote & über 50 Verletzte an belebter Promenade
- Erste Festnahmen, Selbstmordattentäter identifiziert
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Wenige Stunden nach dem blutigen Selbstmordanschlag in Tel Aviv haben israelische Truppen am Samstag fünf Personen festgenommen und den Täter identifiziert. Es soll sich um einen 21-jährigen Studenten aus dem Westjordanland handeln, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Bei dem Anschlag am späten Freitagabend wurden vier Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Unter den Festgenommenen sind nach palästinensischen Angaben zwei Brüder des Selbstmordattentäters und der Imam ihres Dorfes Deir al-Ghusun, das nördlich der Stadt Tulkarem im Westjordanland liegt. Die israelischen Streitkräften ordneten ein Ausgehverbot für die Bevölkerung des Orts an.
Der Selbstmordattentäter zündete vor der Diskothek "Stage" nahe der Strandpromenade von Tel Aviv eine mit Metallsplittern versetzte Bombe - inmitten einer Gruppe von 20 bis 30 jungen Leuten, die auf Einlass warteten. Die Wucht der Detonation beschädigte die Vorderfront des Nachtklubs. Als sich der Täter dem Eingang genähert habe, seien Wachleute auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihm den Eintritt verwehrt, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, David Tzur. So sei eine noch größere Tragödie verhindert worden.
In palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, dass die Tat von einem Palästinenser aus dem nördlichen Westjordanland verübt worden sei, der im Auftrag der libanesischen Schiiten-Organisation Hisbollah gehandelt habe. Dies wurde von einem Hisbollah-Funktionär in Beirut zurückgewiesen.
Israels Ministerpräsident Ariel Sharon will am Samstag mit der Führung der israelischen Sicherheitskräfte über einen möglichen Gegenschlag beraten. Verteidigungsminister Shaul Mofaz setzte eine Krisensitzung der Sicherheitschefs an.
"Die Palästinenser haben einige wichtige Schritte unternommen, aber sie müssen ihre Arbeit zu Ende führen", sagte der israelische Regierungssprecher Raanan Gissin. "Sie können sich nicht auf Vereinbarungen mit terroristischen Organisationen verlassen."
US-Außenministerin Condoleezza Rice verurteilte den Selbstmordanschlag in Tel Aviv scharf. Die Palästinenserführung müsse nun "unverzügliche und glaubhafte Schritte machen", um die Verantwortlichen des Attentats zu fassen und vor Gericht zu bringen, erklärte Rice am Freitagabend (Ortszeit) in Washington. "Wir müssen jetzt Handlungen sehen, von denen die klare Botschaft ausgeht, dass Terror nicht geduldet wird", hieß es in der Erklärung, die das Außenamt veröffentlichte.
Die US-Regierung habe mit Israel Kontakt aufgenommen, um ihr Beileid auszusprechen und ihre "Unterstützung gegen den Terrorismus" auszudrücken. Ihr Mitgefühl gelte den Familien der Opfer, erklärte Rice.
Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den Selbstmordanschlag auf das Schärfste. Annan hoffe darauf, dass unverzüglich gehandelt werde, um die Urheber des Anschlags festzunehmen und vor Gericht zu bringen, erklärte sein Sprecher Fred Eckhard am Freitag (Ortszeit) am Sitz der Vereinten Nationen in New York. "Dieser Terrorakt darf die positiven Schritte nicht unterhöhlen, die die beiden Parteien jüngst erzielt haben." Israels Regierungschef Ariel Sharon und Palästinenserpräsident Abbas hatten sich bei einem Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh am 8. Februar auf eine Waffenruhe verständigt.
(apa)
