Freitag, 25. Februar 2005

Syrien geht in die Offensive: Präsident Assad will direkte Gespräche mit den USA

  • Vorwurf an Washington wegen einseitiger Nahost-Politik

Nach zuletzt immer stärkerem internationalen Druck geht der syrische Präsident Assad in die Offensive und spricht sich für direkte Gespräche mit den USA aus. Assad warf Washington am Freitag aber zugleich vor, seine Nahost-Politik einseitig an den eigenen Interessen auszurichten.

Die USA, aber auch die EU, hatten in jüngster Zeit ihren Druck auf das arabische Land erhöht. Sie fordern einen Abzug syrischer Truppen aus dem Libanon sowie schärfere Kontrollen an den syrischen Grenzen, um das Eindringen von Extremisten in den Irak zu unterbinden.

"Gespräche über Sicherheitsfragen dürfen nicht unterbrochen werden", sagte Assad. Der einzige Weg, dies zu erreichen, sei ein direkter Dialog. "Wir bemühen uns darum, stoßen in einigen US-Kreisen jedoch nicht auf dieselbe Haltung." Assad kritisierte zudem, dass die USA als Supermacht eine Vision für den Nahen Osten vermissen ließen.

Am Donnerstag hatte Syrien seine Kooperationsbereitschaft bekräftigt, um dem von der UNO geforderten Truppenabzug nachzukommen. Zudem kündigte das Land an, weitere Truppenteile entsprechend eines Abkommens von 1989 in den Osten des Libanon zu verlegen. Syrien hat 14.000 Soldaten im benachbarten Libanon stehen und gilt dort als Ordnungsmacht.

Unterdessen traf in Beirut ein Team der UNO zur Untersuchung des Mordanschlags auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Hariri ein. Sie wird von Irlands stellvertretendem Polizeichef Peter Fitzgerald geleitet und kann nach UNO-Angaben ihre Nachforschungen auch auf andere Länder ausweiten. Innerhalb von vier Wochen will die Kommission ihren Bericht UNO-Generalsekretär Annan übermitteln. (apa)

25.2.2005 16:37