Nach Wohnungsaffäre: Französischer Finanzminister Gaymard tritt zurück
- Reichte bei Premier Jean-Pierre Raffarin Gesuch ein
- Gaymard bezog mit Familie Luxus-Wohnung in Paris
Der wegen einer Immobilienaffäre unter massiven Druck geratene französische Wirtschafts- und Finanzminister Herve Gaymard (44) ist am Freitag zurückgetreten. Premier Jean-Piere Raffarin nahm die Demission an. Präsident Jacques Chirac erklärte die Amtszeit Gaymards in der konservativen Regierung offiziell für beendet. Die sozialistische Opposition rief den Staatschef auf, weitere Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen, für die sie Raffarin mitverantwortlich machte.
Der Premier habe Gaymards zehnköpfiger Familie die 600 Quadratmeter große Dienstwohnung zu einer Monatsmiete von 14.000 Euro genehmigt, schrieb die Sozialistische Partei (PS) in einer Stellungnahme. Die Affäre bedeute daher "einen Glaubwürdigkeitsverlust für die gesamte Regierung". Chirac müsse sich so schnell wie möglich äußern.
Gaymard war in die Kritik geraten, weil er die Wohnung auf Kosten der Steuerzahler bezogen hatte. Der enge Vertraute von Chirac besitzt selbst eine 200 Quadratmeter große Wohnung in der französischen Hauptstadt. Wer sein Nachfolger in dem Superministerium werden soll, war zunächst offen.
Die Enthüllungen über Gaymard, der erst seit drei Monaten im Amt war, waren in den vergangenen Tagen nicht abgerissen und verstrickten den 44-Jährigen in Widersprüchlichkeiten und Unwahrheiten. So hatte er zunächst erklärt, keine eigene Bleibe in Paris zu besitzen, ohne seine Wohnung auf dem teuren linken Seine-Ufer zu erwähnen. Am Freitag wurde zudem bekannt, dass der Minister insgesamt drei Wohnungen und zwei Häuser in Frankreich besitzt - mit einem geschätzten Gesamtwert von bis zu zwei Millionen Euro.
Der als ehrgeizig bekannte Minister hatte das Amt am 29. November 2004 von Nicolas Sarkozy übernommen, als dieser Chef der Regierungspartei UMP wurde. In seiner Mitteilung räumte Gaymard "Ungeschicklichkeiten" und den Fehler ein, die "Konditionen" seiner erst am 1. Februar bezogenen Dienstwohnung nicht gründlich genug bedacht zu haben. Er bekräftigte, die Kosten für den Umbau der Wohnung in der Höhe von etwa 32.000 Euro zu übernehmen. Vor allem war für die Familie eigens eine Stiege zwischen zwei Etagen eingebaut worden.
Nach dem Rücktritt von Gaymard hat Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac Thierry Breton zum neuen Ressortchef ernannt. Das teilte der Elysee-Palast noch am Freitagabend mit. (apa/red)
