Gewaltspirale im Irak dreht sich weiter: Autobombenanschlag und toter US-Soldat
- Attentat in Mossul forderte zwei Menschenleben
- Angriffe in Kirkuk - Autofahrer von GIs erschossen
Im Irak dreht sich die Gewaltspirale weiter. Bei einem Autobombenanschlag in Mossul sind am Mittwoch mindestens zwei Menschen getötet worden, 14 weitere wurden verletzt, wie ein Krankenhausmitarbeiter berichtete. Die US-Streitkräfte machten in einer Erklärung Aufständische für den Anschlag verantwortlich. Bei einem Sprengstoffattentat in der 170 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Touz wurde nach US-Angaben ein amerikanischer Soldat getötet. In der Provinz Anbar kam ein US-Soldat bei einem Autounfall ums Leben.
Bei bewaffneten Angriffen sind in der nordirakischen Stadt Kirkuk am Mittwoch drei Menschen getötet worden. Unbekannte stürmten in ein Restaurant und feuerten auf zwei Polizisten, wie die Sicherheitsbehörden bekannt gaben. Einer der Beamten sei von neun Kugeln getroffen worden und gestorben, der zweite habe verletzt überlebt. Bei einem anderen Überfall hätten Unbekannte auf einer Straße bei Kirkuk das Feuer auf ein Auto eröffnet; zwei Menschen seien getötet worden, einer habe schwere Verletzungen davongetragen.
US-Soldaten erschossen nach Polizeiangaben einen irakischen Autofahrer, der sich zu sehr einer Militärkolonne genähert habe. Wegen der Gefahr von Anschlägen sind auf den meisten US-Fahrzeugen Warnhinweise angebracht, sich beim Überholen oder Vorbeifahren nicht zu sehr zu nähern.
Offensive gegen Aufständische wird fortgesetzt
Die US-Armee im Irak hat ihre Offensive gegen Aufständische in der Provinz Anbar fortgesetzt und sich nach eigenen Angaben einen Weg in die Stadt Haklaniya frei gekämpft. Noch vor Sonnenaufgang rollten Panzer und andere stark gesicherte Fahrzeuge der US-Armee in die 240 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Stadt, eine Hochburg sunnitischer Rebellen. Nach Angaben eines US-Offiziers wurde die Kolonne mit Sprengsätzen und Granatwerfern angegriffen. Die Soldaten hätten das Feuer mit Maschinengewehren erwidert.
Die Provinz erstreckt sich westlich von Bagdad bis zu den Grenzen zu Syrien, Jordanien und Saudiarabien. Sunnitische Moslems, die gegen die von den USA geführten Besatzungstruppen kämpfen, haben in der Region mehrere Festungen errichtet. Viele Rebellen zogen sich im vergangenen November in das 60.000 Einwohner zählende Haklaniya und andere Städte der Provinz zurück, nachdem die US-Armee das zuvor von ihnen beherrschte Falluja erobert hatte.
Nach den Worten von Oberstleutnant Greg Stevens erwartet die US-Armee in Anbar auch heftigen Widerstand durch ausländische Kämpfer, die sich Al-Kaida zugehörig fühlten und zu "Märtyrern" werden wollten. Bei ihrem Vormarsch in Haklaniya arbeiten die US-Kräfte mit irakischen Soldaten zusammen, die zwei Moscheen räumen sollten. Die US-Armee bezog in zwei Schulen Stellung. Nach eigenen Angaben wollten die Truppen 24 Stunden in der Stadt bleiben, um Verdächtige zu verhören.
Verhandlungen mit Aufständischen scheinen zu laufen
Die Übergangsregierung in Bagdad erwägt nach Angaben der US-Regierung Verhandlungen mit Anführern irakischer Widerstandsbewegungen. Die Regierung habe Analysen dazu erstellt, welche Gruppierungen von Aufständischen unter Umständen zur Aufgabe ihres Kampfes und zu Gesprächen bereit seien, sagte Pentagon-Sprecher Lawrence DiRita in Washington. Seit den Wahlen vom 30. Jänner gebe es eine Reihe von irakischen Aufständischen, die ihren Kampf nunmehr beenden wollten. Das US-Nachrichtenmagazin "Time" hatte am Wochenende berichtet, dass US-Vertreter in direktem Kontakt mit Anführern sunnitischer Widerstandsgruppen stünden.
Mehrere italienische Journalisten haben den Irak verlassen, nachdem das Büro von Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor möglichen Entführungen gewarnt hat. Es war zunächst unklar, ob ein Zusammenhang zur Geiselnahme der Journalistin Giuliana Sgrena bestand, die am 4. Februar in Bagdad verschwand. Lorenzo Cremonesi, Korrespondent der Mailänder Tageszeitung "Corriere delle Serra", berichtete: "Mein Chefredakteur rief am Samstag an, ich solle den Irak sofort verlassen. Ich sei in Gefahr." Die italienische Botschaft im Irak habe ihn und zwei Kollegen vom Fernsehen und einer anderen Zeitung am Sonntag ebenfalls angewiesen, das Land zu verlassen. (apa)
