Dienstag, 22. Februar 2005

Nach Treffen mit Bush: Kanzler Schüssel glaubt an echte Annäherung USA - EU

  • Bush will 60 Wortmeldungen in 4 Tagen abgeben
  • Schüssel sprach bei Gipfel über Situation am Balkan

Bundeskanzler Schüssel ist fest davon überzeugt, dass die Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und der EU nicht nur Show sind. "Ohne Substanz wäre das in drei bis sechs Monaten enttarnt", so Schüssel am Dienstagabend in Brüssel nach einem Treffen von US-Präsident Bush mit den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten. "Ich glaube schon, dass er echtes Interesse an der Sache hat".

Bush habe in den kommenden vier Tagen seiner Europareise 60 Wortmeldungen abzugeben, was eine ungeheure Strapaze sei. "Das bedeutet ihm sichtbar etwas, sonst würde er das so nicht machen", sagte Schüssel. Bush habe auch im Gespräch mit den Europäern "den Ton gut getroffen" und die Chance auf einen Neuanfang gut genutzt. Vielleicht sei sich Bush jetzt bewusst, dass die USA Europa "stärker braucht, als es angenommen hat". Wobei auch Europa "Amerika bitter notwendig hat". Beide könnten die Dinge, etwa am Balkan, nur gemeinsam bewegen.

Schüssel sprach beim Treffen mit Bush im Namen der Europäer die Situation am Balkan an. Dort habe Europa gezeigt, dass es bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Das zeige sich etwa darin, dass 19.000 europäische Soldaten aber nur mehr 1.800 US-Soldaten in der Region stationiert seien. Schüssel erinnerte nach eigenen Angaben daran, dass die EU ein multiethnisches Kosovo wolle, mit Freiheit für alle und Sicherheit für alle religiösen Kultstätten.

Die UNO werde eine führende Rolle bei den kommenden Gesprächen über den Status des Kosovo übernehmen, eine Lösung sei aber nur in Übereinstimmung mit Serbien möglich. Die Aussicht einer künftigen EU- Mitgliedschaft sei für alle Staaten der Region "der wichtigste positive Impulsgeber".
(apa/red)

22.2.2005 21:39