Dienstag, 22. Februar 2005

Hunderte Todesopfer, tausende Verletzte: Schweres Erdbeben erschütterte den Iran

  • Viele wurden von den Erdstößen im Schlaf überrascht
  • PLUS: Verwüstung & Verzweiflung - die Beben-Bilder!

Gut ein Jahr nach dem schweren Erdbeben in Bam ist der Südosten des Iran am Dienstag erneut von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Bei dem Beben mit der Stärke 6,4 auf der Richterskala kamen nach offiziellen Angaben mindestens 420 Menschen ums Leben. Rettungskräfte gingen allerdings von weit höheren Zahlen aus und rechnen mit mehr als 500 Toten. Das Beben um 5.55 Uhr Ortszeit hat viele Menschen im Schlaf überrascht.

Besonders betroffen war die Stadt Zarand in der Provinz Kerman mit rund 130.000 Einwohnern. Unter den Trümmern von Gebäuden wurden weitere Todesopfer befürchtet. Viele umliegende Dörfer wurden nahezu dem Erdboden gleich gemacht, berichteten Rettungskräfte. Die Polizei der Provinz sprach von mehreren hundert Verletzten. Das Unglücksgebiet liegt nach Angaben der iranischen Botschaft in Berlin rund 200 Kilometer von der historischen Stadt Bam entfernt. Dort waren im Dezember 2003 bei einem Erdbeben mehr als 30.000 Menschen getötet worden.

"Die Menschen, die noch geschlafen haben, sind wahrscheinlich alle tot. Wer schon aufgestanden war für die Morgengebete, hat überlebt", sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Auch der Malteser Hilfsdienst befürchtet mehrere hundert Tote. Die betroffenen Dörfer hätten alle mehrere tausend Einwohner.

Einsatz von österreichischen Rettungshunden möglich
Wolfgang Zörner, Präsident der internationalen Rettungshunde-Organisation (IRO) wollte noch am Dienstag ins Krisengebiet nach dem Erdbeben in der südostiranischen Provinz Kerman fliegen und dort prüfen, ob ein Einsatz von Rettungshunden sinnvoll ist. Der Oberösterreicher hielt sich zufällig in Teheran auf, um dort den Leistungsstand der iranischen Rettungsstaffeln zu überprüfen. "Wir hatten gestern noch ein gemeinsames Training und heute stehen sie für einen Einsatz bereit", sagte Zörner in einem Telefonat mit der APA. In Österreich, Tschechien, Italien und Slowenien ständen Rettungshundestaffeln für den sofortigen Flug in den Iran bereit, sagte Zörner.

Bauweise der Häuser wird zum Verhängnis
Bei Erdbeben in ärmeren Ländern wie Iran wird den Menschen meist die Bauweise ihrer Häuser zum Verhängnis. "Die Opfer kommen nicht durch das Beben unmittelbar zu Schaden, sondern dadurch, dass die Gebäude zusammenbrechen", sagte Klaus-Günter Hinzen, Leiter der Erdbebenwarte der Universität Köln, in einem dpa-Gespräch. Oft würden die Häuser mit massiven Betondecken gebaut, weil das Material billig sei und gegen die Hitze isoliere. "Wenn diese massiven Decken auf dünnen Wänden liegen, dann werden sie bei einem Erdbeben schnell zum Sargdeckel."

Iran zählt zu den besonders erdbebengefährdeten Zonen. Das letzte große Beben in Bam hatte eine Stärke von 6,3 auf der Richterskala. In Zarand starben 1977 bei einem Erdbeben der Stärke 6,2 nach amtlichen Angaben 520 Menschen.

(apa)

22.2.2005 19:39