Mittwoch, 23. Februar 2005

"Das Verfahren wurde gezielt torpediert": Neue Vorwürfe zu Klagenfurter EM-Stadion

  • Vergabekommission nimmt das Land Kärnten ins Visier
  • "Ziel des Landes, dass Strabag den Auftrag bekommt"

Neuerlich schwere Vorwürfe gegen das Land Kärnten erhebt der Vorsitzende der Vergabekommission für den Neubau des Klagenfurter EM-Stadions, Peter Gattermann. In einem Zeitungs-Interview meinte er, es würde sich "immer mehr verdichten, dass das Verfahren gezielt torpediert wurde, um einen Bieter zu protegieren".

Schon nach der ersten Prüfung der Bieterunterlagen, aus denen die Porr AG als Best- und Billigstbieter hervorgegangen sein, habe man gemerkt, "da gibt es ein ganz klares Ziel des Landes Kärnten, dass die Strabag den Auftrag bekommen muss", so Gattermann im "Standard". Seiner Ansicht nach sei auch das erste vom Land in Auftrag gegebene Gutachten ein Versuch gewesen, "das Verfahren zu sprengen". Nachdem dies offenbar nicht gelungen sei, wären plötzlich die geheimen Bieterdetails in einer Wochenzeitung aufgetaucht. Gattermann: "Das war eine klar gesetzte Bombe."

Gattermann bestätigt in dem "Standard"-Artikel auch die ursprünglichen Aussagen des zurückgetretenen Kommissionsmitglieds Hermann Eisenköck. Dieser hatte erklärt, die Strabag-Vertreter hätten über sämtliche Unterlagen der Mitbieter verfügt und den Anspruch auf den Stadionauftrag damit begründet, dass man ja immer wieder Geld für die Kärntner Freiheitlichen bereitgestellt habe. Gattermann: "Er hat mir das genau so gesagt, und ich habe ihn gebeten, das schriftlich niederzulegen." Dieses Beweisstück habe er dann an das Innenministerium weitergeleitet.

Der Grazer Architekt Eisenköck hat seine Darstellung wieder zurückgezogen, nachdem ihm Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner mit einer Klage über 20 Millionen Euro gedroht hatte. Die Anzeige des Büros für Innere Angelegenheiten (BIA) wegen Korruptionsverdachts wurde von der Justiz inzwischen zurückgelegt, da sie "zu wenig substratreich" sei.

Gattermann erklärte weiters, der von Haider in die Vergabekommission entsandte Franz Widrich hätte versucht, eine Teilung des Auftrags zu erreichen, falls die Porr AG als Bestbieter aus dem Verfahren hervorgehe. (apa)

23.2.2005 19:53