Dienstag, 22. Februar 2005

Österreichische Gefängnisse: Immer mehr psychisch Kranke sind in Haft

  • Bericht: Zu wenig Personal und medizinisches Gerät

Immer mehr psychisch Kranke landen in den österreichischen Gefängnissen und sind dort oft unwürdigen Bedingungen ausgesetzt. Dies stellte eine unabhängige Expertenkommission, die die Strafanstalten im Auftrag der Justizministeriums untersucht hat, in ihrem Bericht fest, wie eine Wiener Stadtzeitung in einer Vorabmeldung am Dienstag berichtete.

Die Kommission unter der Leitung vom Präsidenten des Linzer Oberlandesgerichtes, Alois Jung, kritisierte laut "Falter"-Bericht, dass die psychisch Kranken in den Gefängnissen keine professionelle medizinische Betreuung bekommen. Es fehle an ärztlichem Personal und medizinischem Gerät.

Bei der Untersuchung wurden auch umstrittene Todesfälle in den Strafvollzugsanstalten behandelt: Etwa der Fall von Ernst K., der im Zuge der Fixierung bei einem psychotischen Anfall im Jahr 2001 in der Justizanstalt Stein an einem Darmverschluss starb. Die Vorgehensweise von Seiten der Anstalt sei keine "den anerkannten Regeln der Psychiatrie entsprechende Beobachtung eines akut psychisch Behandelten", lautete dazu der Kommentar der Expertenkommission.

Auch zu einem Todesfall in der Justizanstalt Göllersdorf nahm die Kommission kritisch Stellung: Dort wurde ein Patient nach "Unruhezuständen" in einen Käfig gesperrt und erhängte sich anschließend. Dieser Zwischenfall sei "unvollständig dokumentiert" und "höchst problematisch".

In den Gefängnissen herrsche ein "eklatanter Mangel an Psychiatern", lautet ein Resümee der Kommission. In keiner der drei großen Strafvollzugsanstalten Stein, Graz-Karlau und Garsten werde der "Sollstand" an Psychiaterstunden erreicht. Zudem gebe es keinen psychiatrischen Dienst. In der Sonderkrankenanstalt des Wiener Straflandesgerichtes gelten zwar vier von fünf Häftlingen als psychiatrisch auffällig, "doch keiner der in der Sonderkrankenanstalt tätigen Pflegepersonen ist psychiatrisch ausgebildet". Das Justizministerium war für keine Stellungnahme erreichbar.(apa/red)

22.2.2005 15:42