Dienstag, 22. Februar 2005

Geringes Interesse für Jubiläumsjahr 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag

  • Vor allem Junge schenken Daten wenig Beachtung
  • Junge Österreicher interessieren sich für Vorkriegszeit

Das Jubiläumsjahr 2005 aus Anlass des Kriegsendes vor 60 Jahren und der Unterzeichnung des Staatsvertrages vor 50 Jahren stößt bei den Österreichern vorerst auf sehr schwaches Interesse. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor, deren Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht wurden.

IMAS führte im Februar telefonische Interviews mit 1.008 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen durch. Dabei gaben nur 28 Prozent der Bevölkerung an, die bisherigen Berichte und Diskussionen über die historischen Ereignisse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt zu haben. 19 Prozent berichteten von einer mittelmäßigen Neugier, bei der absoluten Mehrheit von 53 Prozent war diese jedoch gering.

Die nähere Betrachtung der Umfrageergebnisse offenbart ein krass unterschiedliches Interesse innerhalb der Altersgruppen, so IMAS: Von der jungen und mittleren Generation schenkt nicht einmal jeder Fünfte den Jubiläen eine große Beachtung. Bei den über 50-Jährigen liegt dieser Wert hingegen bei 42 Prozent.

Auf die Frage, ob die Nachkriegsjahre oder Berichte über den Zweiten Weltkrieg grundsätzlich interessanter seien, verwiesen 45 Prozent der Befragten auf die Zeit danach. Nur rund halb so viele (23 Prozent) haben eine vorrangige Neugier, wenn es um Berichte und Informationen über Kriegsereignisse geht.

Interesse für Zwischenkriegszeit
Die jungen Österreicher wenden sich falls überhaupt gedanklich stärker der Zeit vor 1945 zu als die mittlere und die älteste Generation. Die Senioren, die vielfach selbst Zeitzeugen war, haben ein weit überdurchschnittliches Interesse an den Nachkriegsjahren. Auch Frauen verfolgen Berichte darüber mit viel größerer Aufmerksamkeit als Darstellungen der Kriegszeit.

In der Bevölkerung schwinge, was die Kriegszeit betrifft, ein unverkennbarer Zweifel an der Objektivität der Wissensvermittlung mit, erklärt das Institut. Eine Mehrheit von 47 Prozent glaubt zwar, dass heutzutage sachlich und ausgewogen über diesen Teil der Geschichte berichtet wird. Immerhin 39 Prozent der Österreicher vermuten aber eine einseitige und verzerrte Darstellung des Geschehens. Maturanten und Akademiker sind von der Objektivität deutlich überzeugter als Menschen mit einfacher Bildung.
(apa)

22.2.2005 11:42