Mittwoch, 23. Februar 2005

Vorwurf im LKH Vöcklabruck: Patienten wegen Personalmangel "verpfuscht"

  • Chirurgie-Primar erhebt schwere Anschuldigungen
  • Patientin zu spät operiert: Bein musste amputiert werden

Für Aufregung haben am Dienstag die schweren Vorwürfe des Chirurgie-Primars des Landeskrankenhauses (LKH) Vöcklabruck, Wolfgang Simma, gesorgt. Laut einem Zeitungsbericht seien Patienten in dem Spital durch Personalmangel "verpfuscht" worden. Der Mediziner habe sich in einem vertraulichen Brief an den Krankenhausbetreiber, die landeseigene Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag), gewandt. Deren Vorstandsmitglied Maximilian Koblmüller kündigte ebenso wie das Gesundheitsressort des Landes eine genaue Prüfung an.

Das berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten". Simma zählte drei Fälle auf, in denen aus Personalmangel Schaden entstanden sei: Einer Patientin habe ein Bein amputiert werden müssen, weil sie nicht rechtzeitig operiert werden konnte. Ein Mann habe nach einem Zwölffingerdarmgeschwür noch eine Bauchfellentzündung erlitten, weil er zu spät operiert worden sei. Bei einer dritten Patientin habe eine Operation wegen eines Dickdarmverschlusses um acht Stunden verschoben werden müssen.

Die entsprechenden organisatorischen Voraussetzungen für die Behandlung von Patienten seien im LKH Vöcklabruck vorhanden, auf medizinische Entscheidungen habe man keinen Einfluss, reagierte gespag-Vorstandsmitglied Koblmüller in einem Pressegespräch auf die erhobenen Vorwürfe. Simma selbst hätte entscheiden müssen, wann operiert werde. Es habe zuvor keine Beschwerden des Primars, zeigte sich Koblmüller "überrascht". Die Leistungsfähigkeit im erst 2004 eröffneten Spital sei jedenfalls "deutlich höher" als im alten Haus, noch heuer sei eine Personal-Aufstockung geplant.

Mögliche personelle Konsequenzen schloss das gespag-Vorstandsmitglied nicht aus. Mit der Prüfung der im Schreiben dargestellten Fälle habe die Krankenhaus-Kommission bereits am Dienstag an Ort und Stelle begonnen, erste Ergebnisse sollen Anfang kommender Woche vorliegen.

Land Oberösterreich kündigt Prüfung an
Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider ordnete in Vertretung von Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (beide S), die sich derzeit im Ausland befinde, eine "lückenlose Aufklärung" an. Zu diesem Zweck sei die zentrale Prüfgruppe der Landessanitätsdirektion nach Vöcklabruck entsandt worden, die bis spätestens Mittwoch einen Zwischenbericht vorzulegen habe. Das Land Oberösterreich sei in diesem Fall als Aufsichtsbehörde tätig und daher "federführend bei allen Überprüfungen", betonte Haider in einer Presseaussendung. Die "Missstände" würden bestätigen, dass personelle Einsparung der "falsche Weg" sei argumentierte er.

ÖVP für rasche Aufklärung
Eine rasche und lückenlose Aufklärung forderte Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (V). Falls sich herausstellen sollte, dass tatsächlich organisatorische Mängel bestünden, müssten diese von der gespag sofort abgestellt werden. "Das Wohl der Patienten hat oberste Priorität", betonte Hiesl.

Grüne: Aufsichtsrat informieren
Der grüne Klubobmann Gunther Trübswasser, selbst Mitglied des gespag-Aufsichtsrates, begrüßte die sofortige Einsetzung einer Kommission und die Einschaltung der sanitären Aufsicht. Es müsse aber auch der Aufsichtsrat unverzüglich umfassend informiert werden.

FPÖ fordert Landtags-Untersuchungskommission
Der freiheitliche Klubobmann und Obmann des Kontrollausschusses des Oberösterreichischen Landtages, Günther Steinkellner, kündigte den Antrag auf Einsetzung einer Untersuchungskommission zu den angeblichen Vorfällen an. Auch er betonte, dass Einsparungen im Zuge der Spitalsreform nicht zu Lasten der Patienten gehen dürften.
(apa)

23.2.2005 13:09