Donnerstag, 3. März 2005

Die Firma mit der Maus: Der größte Maus-Hersteller der Welt kommt aus der Schweiz

  • FORMAT im Gespräch mit Logitech-Gründer D. Borel
  • Vor dem Erfolg: Abfuhr von Microsoft in den Achtzigern

Erfolgsstorys, die in der Garage beginnen, gehören zu den beliebten Gründerlegenden der IT-Branche. Im Falle Logitechs war es nicht das Silicon Valley, sondern das 800-Einwohner-Kaff Appel in der Schweiz und der Kuhstall des Schwiegervaters, der zum Experimentierfeld wurde.

Der junge Stanford-Computerwissenschaftler Daniel Borel hatte mit Kollegen schon 1976 an einem Textverarbeitungsprogramm namens BeeZy herumexperimentiert, doch das Geld wurde schnell knapp, und so kehrte Borel zurück in die Schweiz. Es bedurfte noch einiger Anläufe zwischen 1978 und 1980, bis die erste Logitech-Maus auf den Markt kam - ein sündteures, in kleinen Stückzahlen an Ingenieure und Systemhersteller vertriebenes Produkt. Für satte 319 Dollar konnten nun Mausbewegungen mit Pfeilen (Cursor) nachvollzogen werden. Heute setzt man mit Mäusen, Webcams, Tastaturen und Steuerungen für Spielkonsolen 1,3 Milliarden Dollar im Jahr um.

Charismatischer Gründer
Daniel Borel (Bobo, so sein Spitzname aus Studententagen) hat in der Schweiz ein ähnliches Image wie hierzulande Frank Stronach: der Auswanderer, der in der Fremde sein Glück machte. Der in London lebende Globetrotter übte sich lange Zeit in nobler Zurückhaltung, was seine Schweizer Heimat betrifft.

Im Februar 1998 schon hat der Firmengründer die Geschäfte an den einstigen Olivetti-Manager Guerrino de Luca übergeben. Gründer Borel: "Nach mehr als 23 Jahren im blutigen IT-Geschäft war mir klar, dass zehn Prozent der Erfolges die Vision sind, aber 90 Prozent die Umsetzung. Mit de Luca hab ich den richtigen Mann für meine Tochter gefunden."

Bill Gates' vertane Chance
Dass selbst geniale Strategen wie ein Bill Gates nicht immer das Potenzial einer Idee erkennen, belegt eine Anekdote aus den Anfangstagen: 1983 kam Borel im Schlepptau eines Stanford-Professors zu einer Party mit, auf der er Bill Gates seine Idee andiente. "Er war sehr interessiert. Ich bin ihm dann eineinhalb Jahre nachgerannt, aber er wollte nicht." Diese Abfuhr wertet Borel rückblickend als glückliche Fügung. "Wir haben 1986 im Alleingang losgelegt", erinnert sich Borel. "Und erkannt: Wenn wir nicht auf Microsoft fokussieren, dann sind wir für alle anderen interessant. Heute betreuen wir für MSN sogar die Video-Chats", grinst er.

Wenn sich die Schweizer in wenigen Wochen auf Europas größter IT-Messe, der CeBIT in Hannover, präsentieren, spielen Mäuse allerdings nur noch eine Nebenrolle. Denn Logitech sieht sich mittlerweile längst dort, wo auch Microsoft & Co die Zukunft sehen: im digitalen Wohnzimmer.

Die ganze Story lesen Sie in FORMAT 7/2005!

3.3.2005 11:53