Gesichter der Armut
- Armutsalarm: Erstmals 316.017 Österreicher ohne Arbeit.
- NEWS-Report über zehn Schicksale hinter kalten Zahlen.

Wenn Anna K. an schönen Tagen ein wenig in der Wiener Innenstadt spazieren geht und sehnsuchtsvoll die luxuriösen Waren hinter den Auslagenscheiben bewundert, dann ist der 55-Jährigen ihr Elend nicht anzusehen. Denn meinen Stolz, sagt sie, habe ich noch nicht verloren.
100 Euro pro Monat für Essen. Ihr Haar ist daher immer sorgfältig gekämmt, die Nägel manikürt, die Kleidung obwohl schon sehr alt gepflegt. Aber Geld für Friseurbesuche oder für einen neuen Pullover hat die Frau nicht. Abzüglich ihrer Fixkosten für Wohnung, Arztbesuche, Heizung und Strom bleiben der Frührentnerin nämlich nicht mehr als 100 Euro monatlich übrig: Und die brauche ich für den Kauf von Lebensmitteln.´
Armut hat in Österreich viele Gesichter und ist trotzdem oft unsichtbar.
Im drittreichsten Land der EU lagert Armut nämlich nicht auf der Straße, sie haust auch nicht in Wellblechhütten oder hungert in der Vorstadt. In Österreich lebt die Armut hinter den Wänden der Sozialwohnungen, wartet vor den Türen der Schuldnerberatungsstellen und kleidet sich bei der Caritas ein.
Fakt ist: Armut ist in unserem Land kein Randphänomen, sondern trifft mittlerweile ein Achtel der Bevölkerung. Der neue Sozialbericht der Bundesregierung liefert die Zahlen dafür schwarz auf weiß: 1.044.000 Österreicher stehen an der Schwelle zur Armut oder haben diese längst überschritten.
Arm sein: Weniger als 785 Euro. Arm sein in Österreich heißt, monatlich weniger als 785 Euro zur Verfügung zu haben. Arm sein heißt auch Verzicht Verzicht auf Urlaub, auf Schulskikurse für die Kinder, auf die Reparatur des Autos, der Waschmaschine, des Fernsehers.
Bei fast 470.000 Österreichern spricht der Sozialbericht gar von akuter Armut und meint damit die Hoffnungslosigkeit, dieser jemals noch entfliehen zu können. Die Betroffenen haben kein Geld für neue Kleider, sind oft chronisch krank und leben in kleinen, feuchten, schimmligen Wohnungen, aus denen kein Weg herausführt.
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