Mittwoch, 16. Februar 2005

Das lange Leiden des Papstes

  • Alfred Worm: So krank ist Johannes Paul II.
  • Alfred Worm: Wer den Vatikan regiert

Päpstlicher Verfall: 1978 trat er kraftstrotzend das höchste Kirchenamt an. 27 Jahre später ist er ein Wrack. Parkinson-Endstufe 5: Er hat keine Kontrolle mehr über seinen Körper, ist vollkommen bewegungsunfähig. NEWS über den heroischen Kampf des Heiligen Vaters.
Kein Rücktritt: Johannes Paul II. denkt nicht an Amtsverzicht. Für den Vatikan kein Problem: Vier Kardinäle haben die Kirche fest im Griff.

Am 18. Mai wäre Karol Wojtyla 85 Jahre alt. Ob er den Geburtstag noch erleben wird – wenn ja: wie –, weiß niemand. Vor kurzem haben die Bischofskonferenzen weltweit zum Gebet für den Heiligen Vater aufgerufen – für Kircheninsider ein schweres Indiz für den Ernst der Lage.

Am vergangenen Sonntag trat Johannes Paul II. erstmals nach seinem zehntägigen Aufenthalt in der römischen Gemelli-Klinik wieder in der Öffentlichkeit auf. Sein traditioneller Angelussegen war phonetisch nicht mehr verständlich. Der Papst kämpfte mit Atemnot, Schluckbeschwerden und Artikulationsschwächen.

„Das ist“, sagt der prominente Theologe und Arzt Johannes Huber, „der Beginn der letzten Wegstrecke.“ Der Papst trage sein eigenes Kreuz tatsächlich mit allerletzter Kraft hinauf nach Golgota. „Die Leiden dieses Menschen sind unbeschreibbar.“

Endstation. Auf der 5-Punkte-Skala von Hoehn und Yahr – wonach der Morbus Parkinson beginnend mit Stufe 1 („Keine sichtbaren funktionellen Krankheitszeichen“) oft jahrzehntelang unterschiedlich heftig verlaufen kann
– hat der seit 1978 amtierende Pontifex bereits die Endstufe 5 („An den Rollstuhl gefesselt oder bettlägrig“ – der Tod tritt meist durch Pneumonie ein) erreicht. Dem Exitus gehen meist signifikante Anzeichen von Dysphagie (Schluckbeschwerden) voran, die fast immer in einer medikamentös nicht mehr beherrschbaren, letalen Lungenentzündung enden.

Papstklinik Gemelli. Fälschlicherweise gilt die römische Gemelli-Klinik als das „Krankenhaus der Päpste“. Tatsächlich ist Johannes Paul II. der erste Papst, der in diesem Spital behandelt wird. In früheren Jahren wurden ganze Operationssäle in den Vatikan transferiert, nur um einem Pontifex den Blinddarm zu entfernen. Bis inklusive Johannes Paul I., dem Vorgänger von Papst Wojtyla, wurden die Gemächer des Apostolischen Palastes in Behandlungs-, Kranken- und Sterbezimmer umgewandelt.

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PLUS: Wer regiert den Kirchenstaat?

16.2.2005 15:39