AT&S nach Leoben verlegt: Fohnsdorfer Ortschef spricht von einer Katastrophe
- Bürgermeister Straner ersucht Land Steiermark um Hilfe
- 370 Jobs und "viele kleine Zulieferbetriebe" in Gefahr
Die Entscheidung, die Firma AT&S aus Fohnsdorf nach Leoben abzuziehen, bezeichnete der Bürgermeister der betroffenen obersteirischen Gemeinde nach den Negativentwicklungen im Raum Aichfeld der vergangenen Monate als "Katastrophe". Ortschef Johann Straner (S) hat nach eigenen Angaben in einem Gespräch AT&S-Vorstand Willi Dörflinger ersucht, die geplante Verlegung und somit das Aus für den Standort Fohnsdorf abzuwenden. Straner forderte das Land Steiermark auf, sofort aktiv zu werden. Die steirische KPÖ - im Fohnsdorfer Gemeinderat vertreten - sorgt sich um die Zukunft des zweiten Androsch-Betriebs im Ort, der HTP.
Es ginge um rund 370 Jobs am Standort Fohnsdorf, so Straner, sowie "um viele kleine Zulieferbetriebe". Weiters würden auch in der Region dringend benötigte Lehrplätze verloren gehen. Straner: "Bei allem Negativen muss aber auch das positive Bemühen der Eigentümervertreter gesehen werden, die zumindest eine Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen haben". Der Ortschef war mit AT&S-Vorstandsvorsitzendem Dörflinger, Standortleiter Dietmar Drofenik sowie dem Betriebsratsvorsitzendem Markus Schumy zu einem Gespräch zusammen getroffen.
Weiters bat Johann Straner darum, alles zu unternehmen und abzuklären, wie und in welcher Form Ersatzprojekte nach Fohnsdorf zu bringen sind. Dörflinger und Androsch hätten ihm zugesichert, den Standort Fohnsdorf nicht im Stich zu lassen und ihre Verbindungen zum Luftfahrtkonzern EADS sowie dem österreichischen Flugzeugteilehersteller FACC einzubringen und in diese Richtung aktiv zu werden.
Zukunft des zweiten Androsch-Betriebes ungeklärt
Die steirische KPÖ Steiermark mutmaßte, dass der Termin der Entscheidung über den Standort Fohnsdorf kein Zufall sei. Landesvorsitzender Franz Stephan Parteder meinte: "Die Gremien von AT&S werden laut Medienberichten am 16. März die Entscheidung über das Aus treffen. Das ist drei Tage nach der Gemeinderatswahl. Schließlich sei die Gemeinde Fohnsdorf eine der Hochburgen der SPÖ und Hannes Androsch bei bis gestern Donnerstag der wichtigste Werbeträger für die Sozialdemokratie im Aichfeld gewesen.
Für die Beschäftigten in Fohnsdorf gehe es aber laut KPÖ nicht um Wahltermine, sondern um die Rettung ihrer Jobs. Der Gemeinde drohe der Verlust beträchtlicher Steuereinnahmen. Zudem sei die Zukunft des zweiten Androsch-Betriebes in Fohnsdorf, der HTP, ebenfalls ungeklärt. Bei der HTP mit 310 Mitarbeitern seien nach einer außerordentlichen Hauptversammlung im Jänner bereits Einschnitte beim Personal angekündigt worden. Parteder: "Mit Androsch hat jetzt auch die sozialdemokratische Variante des Neoliberalismus in der Steiermark ihr Gesicht verloren, nachdem das der ÖVP schon zuvor passiert war".
(apa/red)
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