Donnerstag, 17. Februar 2005

ATV+ will Steuermillionen: TV-Zar Kloiber fordert 20 Mio. Euro vom Kanzler Schüssel!

  • NEWS: Der Kampf von ATV+ um Quoten & Werbe-Cash
  • Frühestens ab dem Jahr 2008 sind Gewinne in Aussicht

Showdown beim Privat-TV. Während RTL und der ehemalige US-Botschafter in Österreich, Ronald Lauder, um den heimischen TV-Kanal ATV+ balzen, geht Medienzampano Herbert Kloiber in die Offensive. Bislang hat Kloiber gemeinsam mit Miteigentümer Bawag rund 60 Millionen in das ATV+-Projekt investiert und nur magere Früchte geerntet. Jetzt fordert er erstmals Millionensubventionen von der Republik.

Kloiber geht im NEWS-Gespräch voll in den Angriff und beehrt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit einem teuren Bettelbrief: "Wir wollen für ATV+ 20 Millionen Euro Subventionen. Ich würde mich gerne zehnmal bücken, um sie aufzuheben." Damit will der Münchner Medienmogul und Filmrechtehändler Lebensraum für ein duales System am heimischen Fernsehmarkt schaffen. Endziel: Gleichberechtigung zwischen dem öffentlich-rechtlichen Platzhirsch ORF und dem noch kleinen Privatsender ATV+.

Ob TV-Shows wie "Die Lugners" oder "Tausche Familie", die derzeit größten Quotenbringer bei Österreichs kleinem Privatsender, allerdings den strengen öffentlich-rechtlichen Qualitätsanspruch erfüllen, ist ein Fall für Medienstaatssekretär Morak. Wer Gebühren kassiert, so das Credo der obersten Medienpolitiker, muss wie der ORF auch dem gesetzlich normierten öffentlichen Auftrag nachkommen.

Kloiber stößt es sauer auf, dass er mit ATV+ frühestens 2008 Gewinne schreiben wird, der ORF aber mit Gebühren und Werbung rund 837 Millionen Umsatz erwirtschaftet. Zu den rund 10 Millionen Umsatz von ATV+ passt Kloibers neues Motto: "Ich bin ein medienpolitischer Kleingärtner, der sich über jedes noch so kleine Pflänzchen freut."

Big Deal mit RTL
Dabei kämpft der Münchner Filmmogul derzeit an einer weiteren Großfront. Das Ansinnen, seine Anteile an ATV+ an RTL zu verkaufen, weist er zwar scharf zurück: "Das ist kompletter Käse - alles erstunken und erlogen." Fakt ist aber, dass RTL an Kloibers Tele-München-Firmengruppe reges Interesse zeigt, an der letztlich auch der kleine Österreich-Ableger ATV+ hängt. Kein Wunder - ist doch Tele München mit einem Gewinn von 16,3 Millionen Euro und wertvollen Filmpaketen wie "Herr der Ringe II & III" oder den neuen "Harry Potter"-Folgen ein schmuckes Unternehmen.

Der Kampf von ATV+ um Quoten & Werbe-Cash
Nach sieben Jahren Anlaufzeit unter wechselnden Namen macht ATV+ nun seit eineinhalb Jahren mit knapp 100 Mitarbeitern privates Vollprogramm. Der große Erfolg ließ bislang auf sich warten.

  • ATV+ macht rund zehn Millionen Euro Werbeumsatz.
  • Bei 80 Prozent technischer Reichweite hält der Marktanteil bei bescheidenen zwei Prozent. Und das trotz der teuer zugekauften Fußball-Bundesliga-Rechte.
  • Die Hauptfinanciers Bawag und Herbert Kloiber haben bislang 60 Millionen Euro in den Privatsender investiert
  • Frühestens ab dem Jahr 2008 sind Gewinne in Aussicht.

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    17.2.2005 15:45